Wie sehen Sie die Dynamik von Politik und Wirtschaft?

Handschlag vor Weltkugel

Wie sehen Sie die Dynamik von Politik und Wirtschaft?

Der Neoliberalismus ist eine dominierende Kraft. Sein Erfolg geht allerdings einher mit massiven Krisensymptomen. Und mit einem Machtverfall der Politik. Ein Problem für die Demokratien in Europa. Gibt es Alternativen?

Der Neoliberalismus ist eine Idee aus den 1930er Jahren. In den 1970ern und 1980ern war er ein Versuch, die Stagnation des Kapitalismus zu bekämpfen – “Durch die Verwandlung der Welt in eine einzige große Freihandelszone“, sagt der Politologe Wolfgang Streeck.

Wolfgang Streeck

Der Philosoph Wolfgang Streeck

Eine Folge des Neoliberalismus war die Globalisierung, wie wir sie heute kennen. Die Nationalstaaten sollten am besten abgeschafft werden, mindestens aber möglichst funktionslos sein, eher eine Art regionale Folklore. Die Wirtschaft solle von ihnen nicht mehr beeinflusst werden, über die ökonomische Lage der Bevölkerung müsse der Markt entscheiden. Es hat sich, sagt Wolfgang Streeck gezeigt, dass ein solcherart verfasstes Wirtschaftssystem immens krisenanfällig ist. “Auf die Dauer bekommen die Leute Angst vor einem solchen Moloch.“

Heute sind die Krisenphänomene (in Europa) allgegenwärtig: Protestbewegungen, neue nationalistische Parteien, Jugendarbeitslosigkeit usw. Die gegenwärtige Politik, sagt Streeck, ist “stagnierend steckengeblieben“ angesichts der Herausforderungen des permanenten Modernisierungsdrucks und hinzu kommt ja auch noch die Klimakrise.

Für den Politologen ergibt sich daraus die Frage, ob Lösungen mit mehr europäischer/globalistischer Zentralisierung gefunden werden können – oder durch mehr Dezentralisierung. Das stellt auch die EU in ihrer jetzigen Verfasstheit in Frage: Wolfgang Streeck plädiert für ein neues Europa der freundlich kooperierenden Staaten. Nur so werde die Demokratie erhalten – und “nur die Demokratie kann uns retten“.

Müssen wir das Verhältnis Politik/Wirtschaft neu austarieren? Wie stehen Sie zum Neoliberalismus und seinen Folgen? Gibt es Alternativen?

 Hörer:innen können mitdiskutieren unter 0800 5678 555 oder per Mail unter philo@wdr.de.

Redaktion: Gundi Große

Literaturhinweis: Wolfgang Streeck: Zwischen Globalismus und Demokratie. Politische Ökonomie im ausgehenden Neoliberalismus. Suhrkamp Verlag, 2021

Zukunftsträchtig? - der Neoliberalismus

WDR 5 Das philosophische Radio 27.09.2021 55:55 Min. Verfügbar bis 27.09.2022 WDR 5


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