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Nicolas Repac mit In the Land of Your Soul
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Brennendes Geld

Was sollte Ihrer Meinung nach den Kapitalismus ablösen?

Der Kapitalismus hat Wohlstand für Viele geschaffen. Der Preis dafür ist hoch, wie sich jetzt zeigt, die Klimakrise bedroht die Existenz der Menschheit. Wie geeignet ist nun ausgerechnet die Wirtschaftsform des Kapitalismus, um dieser Krise zu begegnen?

Die Fortschritte, die mit dem Siegeszug des Kapitalismus einher gingen, sind ja eindeutig – kontinuierlich wachsender Wohlstand zum Beispiel, und Sozialsysteme, die auch für die Ärmeren mehr Sicherheit bedeuteten. Der Kapitalismus hat aber leider eine fundamentale Schwäche, sagt die Wirtschaftspublizistin Ulrike Herrmann: "Er erzeugt nicht nur Wachstum, sondern muss auch wachsen, um stabil zu sein. Ohne ständige Expansion bricht der Kapitalismus zusammen. In einer endlichen Welt kann man aber nicht unendlich wachsen."

Ulrike Herrmann

Die Journalistin Ulrike Herrmann

Was bedeutet das mit Blick auf die fundamentalen ökologischen Probleme, denen wir gegenüber stehen? Die meisten Regierungen und auch fast alle Ökonomen setzen auf das so genannte "grüne Wachstum". "Die große Hoffnung ist, dass sich die gesamte Wirtschaft auf Ökostrom umstellen ließe – ob Verkehr, Industrie oder Heizung." Eine Illusion, sagt Ulrike Herrmann, denn der Ökostrom wird schlicht nicht ausreichen, um ein möglichst unverändertes Leben und Wirtschaft zu garantieren.

Wenn wir wirklich nur auf grüne Energie und so dem Klimawandel etwas Entscheidendes entgegen setzen wollen, gibt es keine andere Wahl, als wirtschaftlich zu schrumpfen, sagt Ulrike Herrmann. Also das Gegenteil von Wachstum. Ein gutes Leben sei ja trotzdem möglich, nur ein etwas anderes Leben als jetzt, betont die Publizistin. Die Frage sei allerdings, wie dieser "Rückbau des Kapitalismus" geordnet vonstattengehen kann. Ein Vorbild für diesen Prozess findet Ulrike Herrmann in der englischen Kriegswirtschaft ab dem Jahr 1939: eine Mischung aus staatlicher Planung und Privatbesitz im Dienst des Wohls der Gesellschaft.

Müssen wir uns vom Kapitalismus und vom Prinzip des Wachstum verabschieden? Brauchen wir eine Überlebenswirtschaft? Wie stellen Sie sich ein gutes Leben vor, das klimagerecht ist?

Was sollte Ihrer Meinung nach den Kapitalismus ablösen?

WDR 5 Das philosophische Radio 31.10.2022 56:04 Min. Verfügbar bis 31.10.2023 WDR 5


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Hörer:innen können mitdiskutieren unter 0800 5678 555 oder per Mail unter philo@wdr.de.

Redaktion: Gundi Große

Buchtipp
Ulrike Herrmann (2022): Das Ende des Kapitalismus. Warum Wachstum und Klimaschutz nicht vereinbar sind – und wie wir in Zukunft leben werden. Köln; Kiepenheuer & Witsch, 352 Seiten, ISBN 978-3462002553