Live hören
ARD Infonacht
23.03 - 06.00 Uhr ARD Infonacht

Welche Haltung haben Sie der Demenz gegenüber?

Stand: 11.10.2021, 20:04 Uhr

Demenz ist eine Volkskrankheit, Tendenz steigend. Im Umgang mit Demenzkranken zeigen sich viele moralische Probleme. Welche Pflichten für die Gesellschaft ergeben sich daraus – und welche Rechte für die Betroffenen?

Aktuell leben 1,7 Millionen Menschen in Deutschland mit Demenz, 2050 werden es ungefähr 3 Millionen sein. Demenz ist eine aufwühlende und eine aufwändige Angelegenheit. Was würde geschehen, fragt Thomas Klie, wenn dieser Aufwand für die Gesellschaft nicht mehr finanziebar wäre?

Der Jurist und Gerontologe befürchtet eine wachsende Offenheit für Sterbehilfe an Dementen – und verwahrt sich entschieden dagegen. Der Umgang mit Demenzkranken, argumentiert er, hat auch eine symbolische Bedeutung für die Gesellschaft: "Die Leitkultur misst sich an der Behandlung des Themas Demenz."

Die Demenz, so Klie, konterkariert die moderne Leistungs- und Konsumgesellschaft. Demente konsumieren nicht, sie leisten nicht; sie kosten und sie fordern das Selbstverständnis der Gesellschaft heraus. In der Folge stellt sich die Frage, ob Demenzkranke ruhig gestellt und mehr oder minder unsichtbar gemacht werden – oder ob Möglichkeiten gefunden werden, so mit ihnen umzugehen, dass ihre (Menschen-)Rechte trotz der Krankheit gewahrt werden. "Wenn wir Demenz nicht heilen können, müssen wir mit Demenz leben lernen", sagt Thomas Klie. Er fordert deshalb ein Recht auf Demenz als Lebensform: "Wenn jeder Mensch Subjekt der Würde ist, die Würde des Menschen nicht an Leistungsfähigkeit gebunden ist und zum Wesenskern des Menschen gehört, dann macht der Achtungsanspruch von Menschen nicht halt vor der Demenz."

Wie stehen Sie zur Frage der Demenz? Sollte die Menschenwürde Demenzkranker besser geschützt und gewahrt werden? Brauchen wir ein Recht auf Demenz?

Hörer:innen können mitdiskutieren unter 0800 5678 555 oder per Mail unter philo@wdr.de

Literaturhinweis:
Thomas Klie: Recht auf Demenz. Hirzel Verlag, 2021

Redaktion: Gundi Große