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Woher nehmen Sie den Trost?

Zwei gemalte Menschen, die sich umarmen.

Woher nehmen Sie den Trost?

Der Tod ist stets präsent im Leben. In der Corona-Zeit wird das noch deutlicher. Und es kann passieren, dass nahe Angehörige ohne familiäre Begleitung aus dem Leben scheiden müssen. Wie lässt sich Trost finden in so einer Situation?

Wenn ein naher Mensch aus dem Leben gerissen wird, herrscht meist erst einmal Fassungslosigkeit: Schock, Entsetzen, Wut. Der Tod ist ein fundamentaler Angriff, der eigentlich nicht akzeptabel ist, man möchte mit aller Kraft dagegen aufbegehren. Die Reaktion ist oft ein emotionaler Ausnahmezustand: Man ist nicht ganz bei Trost. Wie also lässt sich doch Trost finden in solch einer Lebenssituation? Woher Kraft und Halt beziehen angesichts des Verlusts? Vor dem Zeitalter der Aufklärung, war das im Christentum relativ klar geregelt. Der Mensch lebte in dem Gefühl, in Gottes Hand geboren zu sein, der Tod war Teil einer göttlichen Ordnung. Der Glaube gab neuen Lebensmut.

Thea Dorn

Die Philosophin Thea Dorn

Und heute? In weitgehend säkularen Zeiten? Voraussetzung für Trost, sagt die Schriftstellerin Thea Dorn, ist die Fähigkeit Verluste und Niederlagen akzeptieren zu können. "Solange der Mensch etwas Widriges, das ihm zugestoßen ist, in erster Linie als Unrecht empfindet, will er nicht getröstet werden, sondern will, dass die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden, will sein Recht bekommen. "Trost wäre demnach eine anti-moderne Gemütsverfassung: "Der moderne Mensch will sein Schicksal in den Griff bekommen, sucht weniger nach Strategien, wie er es schaffen kann, seinen Frieden mit etwas als unvermeidlich Akzeptiertem zu machen." Also: Aktiv bleiben, handeln, das eigene Leben ändern, der Vergänglichkeit begegnen? Das könnte zumindest eine gedankliche Alternative sein für diejenigen, die ihren Trost nicht nur als Stoiker in der Akzeptanz des Vergehens finden wollen – wohl wissend, dass es letztlich kein Entkommen gibt.

Welche Möglichkeiten haben wir, um dem Verlust umzugehen? Welche Rolle spielt körperlicher Kontakt dabei, und helfen Gedanken? Wie finden Sie Trost?

Literaturhinweis:
Thea Dorn: Trost. Briefe an Max. Penguin Verlag, 2021.

Hörer können mitdiskutieren unter 0800 5678 555 oder per Mail unter philo@wdr.de.

Redaktion: Gundi Große

Greifbar? - der Trost

WDR 5 Das philosophische Radio 08.03.2021 55:50 Min. Verfügbar bis 08.03.2022 WDR 5


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