Für wie aufgeklärt halten Sie unsere Gesellschaft?

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Für wie aufgeklärt halten Sie unsere Gesellschaft?

Der Populismus scheint allerorten im Aufwind, damit verbunden ist von einer "Krise der Demokratie" die Rede. Ist das auch eine Krise der Aufklärung?

"Aufklärung" ist einerseits eine Epochenbezeichnung, sagt der Philosoph Michael Hampe, und andererseits das Ideal einer bestimmten Lebensform: Ein Leben möglichst ohne Illusionen und ohne Grausamkeiten. Wie bedroht ist dieses Ideal angesichts von Fake News, Hysterie in den (sozialen) Medien und Angriffen auf die Werte eben der Aufklärung? Michael Hampe sagt dazu: "Es gibt keine Gesetzmäßigkeit der Geschichte, die die Aufklärung an ihr Ende gebracht hätte. Es steht bei uns, ob wir das Ziel einer aufgeklärten Lebensform weiter verfolgen wollen oder nicht." Es brauche aber neue Energie für die Idee der Aufklärung, einen Schub gewissermaßen – es brauche eine dritte Aufklärung nach der sokratischen Aufklärung in der Antike und der zweiten Aufklärung im 17. und 18. Jahrhundert.

Der Philosoph Michael Hampe

Der Philosoph Michael Hampe

Es gehe dabei darum, dass wir uns von der Vorstellung befreien, dass Geschichte nach Mustern verläuft, denen wir nur zuschauen können, sagt Hampe. Diese dritte Aufklärung muss, so argumentiert der Philosoph, eine Bildungsbewegung sein, die Bildungsprozesse nicht mehr nur als Vorbereitung auf den Arbeitsmarkt ansieht – sondern als "Befähigung von Personen, kreativ gemeinschaftlich kulturelle Ziele hervorzubringen, jenseits der bestehenden Arbeits- und Wissensgesellschaften".

Brauchen wir eine neue, eine dritte Aufklärung? Wie beeinflussbar sind die Entwicklungen, die im Moment vielen so große Sorge bereiten?

Hörer können mitdiskutieren unter 0800 5678 555 oder per Mail unter philo@wdr.de.

Überfällig? - die dritte Aufklärung

WDR 5 Das philosophische Radio | 09.11.2018 | 54:04 Min.

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Redaktion: Gundi Große

Stand: 09.11.2018, 20:04