Was halten Sie von einer fatalistischen Lebenshaltung?

Blick, Augen

Was halten Sie von einer fatalistischen Lebenshaltung?

Abwarten, mit einer gesunden Portion Skepsis – und mal schauen, wie die Dinge sich entwickeln. Wirklich? Der Fatalismus hat keinen guten Ruf. Warum?

Fatalisten gelten oft als Zyniker, die sich den Möglichkeiten der Welt verweigern; voller Mitleid bedauert man sie für ihr – möglicherweise ja sogar depressive – Melancholie. Fatalisten, das sind die Mutlosen und die Resignierten. Und in der Öffentlichkeit war das Wort ein Kampfbegriff, seitdem es existiert: Fatalisten glauben nicht wirklich an den freien Willen, an die Gestaltbarkeit der Welt. Fatalisten sind letztlich Reaktionäre in ihrer Schicksalsgläubigkeit. Aber - stimmt das alles überhaupt? Der Theologe und Publizist Matthias Drobinski hinterfragt den gängigen Umgang mit dem Fatalismus – und plädiert dafür, andere Potentiale dieses Begriffs, dieser Haltung zu erkennen: Die Gelassenheit. Das Entspannte. Das Zweifeln, die gesunde Skepsis. Die Begabung, mit den Dingen zurecht zu kommen, so wie sie sich ergeben – angesichts der Tatsache, dass es sowieso eine Illusion ist, die Welt irgendwie unter Kontrolle haben zu können. Und der Humor, mit dem viele Fatalisten der Welt begegnen. Ein aufgeklärter Fatalismus, sagt Drobinski, setzt dem Weltverbesserungspathos Grenzen; der Phantasie, eine schöne neue Welt sei planbar und in einem Willensakt herstellbar. "Sie muss unvollständig bleiben, diese Welt, will sie menschgemäß sein. Das Unplanbare und Unvorhersehbare gehört zu ihrem Wesen.

Matthias Dobrinski

Der Journalist Matthias Dobrinski

Gerade das aber verunsichert die Menschen, seit sie über sich und die Welt nachdenken. Eine gute Portion Fatalismus im Leben löst das Problem nicht. Man kann aber besser mit ihm leben."

Eine Haltung , um in der unübersichtlicher gewordenen Welt den Stand zu bewahren? Wie stehen Sie zum Fatalismus?

Hörer können mitdiskutieren unter 0800 5678 555 oder per Mail unter philo@wdr.de.

Schicksalsgläubig? - über den Fatalismus

WDR 5 Das philosophische Radio | 13.04.2018 | 53:50 Min.

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Redaktion: Gundi Große

Literaturhinweis:
Matthias Drobinski: "Lob des Fatalismus".
Claudius Verlag, 2018

Stand: 13.04.2018, 20:05