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23.03 - 06.00 Uhr ARD Infonacht

Wie üben Sie das Abschiednehmen?

Pusteblume

Wie üben Sie das Abschiednehmen?

Welche Bedeutung hat der Tod fürs Leben? Der Umgang mit der eigenen Endlichkeit ist ein philosophisches Thema seit der Antike. Der Prozess des Abschieds stand dagegen kaum im Fokus. Wie können wir diesen Abschied gestalten?

Jutta Georg, Philosophin

Jutta Georg, Philosophin

Der Tod ist brutal, ein Schock, und er ist eigentlich kaum zu verstehen. Kaum erstaunlich also, dass viele Philosophen und Philosophinnen ihn relativierten. Sokrates zum Beispiel vertrat die These, dass der Tod für einen Menschen, der ein gutes Leben geführt hat, kein Übel sein muss. Und die Stoiker begegneten auch ihrer Endlichkeit mit möglichst großer Gelassenheit. Schopenhauer fand die Anhänglichkeit ans Leben unvernünftig, Nietzsche betrachtete den Tod als Befreiung, Heidegger beschrieb das ganze Leben als ein "Sein zum Tode hin". Wer über das Sterben nachdenkt, der muss konsequenterweise seine Einstellung zum Leben ändern, darauf verwies der Franzose Michel de Montainge. Heißt: Man kann "sterben lernen". Und die Gesellschaft entwickelt Rituale, mit dem Tod umzugehen. Und die ganz Souveränen, so Friedrich Nietzsche, verfügen möglicherweise sogar über einen freien Willen zu einem "vernünftigen Tod"; für sie ist ihr Ende eine Befreiung von sämtlichen Zwängen, die der Freiheit entgegen stehen.

Das ist schon fast eine positive Wendung. Lässt sich die Endlichkeit also auch aus dieser Perspektive betrachten? "Der Abschied könnte eine Leitmelodie unseres Existierens sein, eine lebenslange, die erst mit dem endgültigen verklingen wird", sagt die Philosophin Jutta Georg. Schließlich durchzieht das Thema der Abschiede unser ganzes Leben; die ganze Existenz besteht aus Werden und Vergehen. Dann müsste man Abschiede bejahen – und daran stärker werden, wachsen. Das wäre im Sinne von Nietzsche die Amor fati: die Kunst der höchsten Lebensbejahung.

Können wir die Endlichkeit konstruktiv ins Leben integrieren? Wie stehen Sie zum Abschied?

Hörer:innen können mitdiskutieren unter 0800 5678 555 oder per Mail unter philo@wdr.de

Redaktion: Gundi Große

Einüben? - das Abschiednehmen

WDR 5 Das philosophische Radio 22.11.2021 53:39 Min. Verfügbar bis 22.11.2022 WDR 5


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