Was macht den Menschen zum Menschen?

'The Vitruvian Man', 1492. Leonardo da Vinci

Was macht den Menschen zum Menschen?

Welche Stellung hat der Mensch in der Welt – und was macht den Mensch zu Menschen? Der Philosoph Helmuth Plessner wurde im Rahmen seiner Anthropologie beim Lachen und beim Weinen fündig.

Helmuth Plessner, dessen Geburtstag sich 2017 zum 125. Mal jährt, schuf den Begriff der exzentrischen Positionalität: Organische Wesen – Pflanzen, Tiere, Menschen – haben ein Verhältnis zu ihrer Umwelt, das über ihre Grenzen definiert wird. Exzentrisch ist diese Positionalität beim Menschen im Gegensatz zu Pflanzen und Tieren deshalb, weil der Mensch jederzeit in ein reflexives Verhältnis zu seinem Dasein treten kann. Das führt unter anderem auch zum Selbstbewusstsein – was heißt, dass dieses Selbstbewusstsein nicht nur ein geistiges Phänomen ist, sondern auch biologische Wurzeln hat. Der Mensch ist damit ein Doppelwesen aus geistiger und leiblicher Existenz. In Krisen- und Grenzsituationen kann der Körper zum Beispiel durch´s Lachen und durch´s Weinen für Momente dem Geist das Regiment abnehmen, um die Situation zu bewältigen. Bekannt wurde Plessner durch seine sozialphilosophischen Überlegungen über "Die Verspätete Nation" oder auch zu den "Grenzen der Gemeinschaft".

Joachim Fischer

Der Soziologe Joachim Fischer

Hier schloss er gedanklich an seine Anthropologie an – und kritisierte Gesellschaftsmodelle, die von einer starken, verpflichtenden Gemeinschaftsidee ausgehen – weil sie den essentiell wichtigen Abstand nicht zulassen, den Menschen brauchen, um sich als Person zu entwickeln.

Inwiefern ist der Mensch ein geistiges Wesen – und inwiefern ist die Biologie prägend? Welche Bedeutung haben das Lachen und das Weinen? Welche Eigenschaften sind Alleinstellungsmerkmale des Menschen?

Hörer können mitdiskutieren unter 0800 5678 555 oder per Mail unter philo@wdr.de.

Führend? - die Stellung des Menschen in der Welt

WDR 5 Das philosophische Radio | 10.11.2017 | 54:08 Min.

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Redaktion: Gundi Große

Literaturhinweis:
Joachim Fischer: "Exzentrische Positionalität. Studien zu Helmuth Plessner".
Verlag Vielbrück Wissenschaft, 2016

Stand: 10.11.2017, 20:05