Was macht für Sie einen Menschenkenner aus?

Auge

Was macht für Sie einen Menschenkenner aus?

Menschenkenner sind gefragt im Miteinander. Den anderen einzuschätzen, das birgt allerdings Risiken und Nebenwirkungen. Was genau ist das überhaupt, die Menschenkenntnis?

Die Menschenkenntnis, das kommt einem erstmal vor wie ein Allerweltsbegriff. Der es allerdings genauer betrachtet in sich hat: Um den Menschen zu kennen, muss man eine Idee davon haben, was den Menschen ausmacht – und auch eine Vorstellung davon, was exakt es bedeutet, jemanden zu kennen oder nicht. Das rührt an komplexen philosophischen Fragestellungen, die ans Eingemachte gehen: Was ist der Mensch, wie funktioniert Wahrnehmung, was bedeutet Erkenntnis? Menschenkenntnis, das hat mit Aufmerksamkeit zu tun, mit Beobachtungsgabe, mit Erfahrung, mit Urteilsvermögen und mit Reflexionsvermögen: Wer ein Menschenkenner sein will, der muss dazu in der Lage sein, über Verhaltensweisen, Gefühle und Reaktionsmuster nachzudenken und dabei auch auf Distanz zu sich selbst zu gehen. Menschenkenntnis, das heißt, lernfähig zu sein – und dabei auch mit Ent-Täuschung umgehen zu können. Für Philosophen, Wissenschaftler, Dramatiker, Dichter und Schriftsteller ist die Menschenkenntnis mindestens seit der griechischen Antike ein Thema. Lange wurden dabei eher prototypische Aspekte diskutiert – erst im 16. und 17. Jahrhundert rückte das Individuum ins Zentrum.

Georg Brunold

Der Journalist Georg Brunold

Erst seitdem ist auch der Begriff "Menschenkenntnis" auch im Deutschen belegt; Vorläufer war das Lateinische "psychologia". Heute ist Menschenkenntnis ganz zentral auch ein Thema der Verhaltensforschung, und es stellen sich ganz neue Herausforderungen – Stichwort Digitalisierung.

Was sollte wissen, wer ein Menschenkenner sein will? Was hat es auf sich mit der Menschenkenntnis?

Hörer können mitdiskutieren unter 0800 5678 555 oder per Mail unter philo@wdr.de.

Erlernbar? - Menschenkenntnis

WDR 5 Das philosophische Radio | 05.10.2018 | 54:20 Min.

Download

Redaktion: Gundi Große

Literaturhinweis:
Georg Brunold: "Handbuch der Menschenkenntnis:
Mutmaßungen aus 2.500 Jahren."
Verlag Galinani Berlin, 2018
.

Stand: 05.10.2018, 20:04