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ARD Infonacht
23.03 - 06.00 Uhr ARD Infonacht

Wie finden Sie Trost beim Denken an den Tod ohne einen Gott?

Brennende Kerzen

Wie finden Sie Trost beim Denken an den Tod ohne einen Gott?

Ein unfassbarer Skandal, eine Ungeheuerlichkeit: Der Tod ist die größte Zumutung ans Leben. Die Religion war lange ein Hilfsmittel, damit umzugehen. Welchen Trost kann es in einer zunehmend säkularisierten Zeit noch geben?

Der Philosoph Franz Josef Wetz

Franz Josef Wetz, Philosoph

In der Gegenwart behaupten viele, sie hätten Angst vorm Sterben, weniger aber vorm Tod an sich, sagt der Philosoph Franz Josef Wetz. "Das ist Unsinn. Wer am Leben hängt, hakt sein Leben nicht ohne Weiteres ab. Dabei muss man sein Leben noch nicht einmal übermäßig lieben, um es fortsetzen zu wollen. Der Tod ist ein existenzieller Totalschaden." Die Frage ist also: Wie kann man eigentlich damit umgehen, dass dieser Totalschaden unvermeidbar ist?

Die Trost- und Heilsangebote der Religion haben mit der Säkularisierung an Wirksamkeit verloren. Und eine Kehrseite der damit verbundenen Individualisierung ist eine zunehmende Sprachlosigkeit, was den Tod angeht. "Viele Menschen stehen hilflos dem Tod gegenüber. Man ist für seine Trauerarbeit selbst verantwortlich, was viele überfordert." Der Bedarf an existenzieller Hilfe ohne religiöse Heilsversprechungen wächst.

Gibt es eine ars moriendi, eine Kunst des Sterbens? Schwierig, denn letztlich ist jeder für sich der Erste, der stirbt. "Sterben kann man nicht trainieren." Die Philosophie kann Trost bieten, immerhin; letztgültigen Antworten hat sie indes auch nach 2000 Jahren Grübeln über das Ende bislang nicht gefunden.

Letztlich laufe am Ende alles auf Improvisation und Kompromiss hinaus, sagt Franz Josef Wetz, und wenn die Wahrheit unerträglich sei, dann dürfe man sich auch mal etwas vormachen. Und neben dem Tod, der kommen wird, ist immerhin eine Erkenntnis sicher: Durch das Eingeständnis unserer Vergänglichkeit verneigen wir uns zu guter Letzt vor der Existenz des Lebens.

Welche Rolle spielt der Tod im Leben? Wie gehen Sie mit der Gewissheit um, dass Ihre Existenz endlich ist? Wie finden Sie Trost?

Hörer:innen können mitdiskutieren unter 0800 / 56 78 555 oder per Mail unter philo@wdr.de.

Redaktion: Gundi Große

Untröstlich? - Ungläubige und der Tod

WDR 5 Das philosophische Radio 06.09.2021 55:53 Min. Verfügbar bis 06.09.2022 WDR 5


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Literaturhinweis

Franz-Josef Wetz: Tot ohne Gott. Eine neue Kultur des Abschieds. Alibri Verlag, 2021.