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Wo kultivieren Sie die Kunst des Teilens?

Geteilte Pizza

Wo kultivieren Sie die Kunst des Teilens?

Wir leben in einer Zeit der Krisen. Und viele dieser Krisen haben mit Verteilungsfragen zu tun. Geht das, Chancen und Risiken anders zu verteilen? Welche Bedeutung hat das Teilen für den Menschen?

Franca Parianen

Franca Parianen, Kognitionswissenschaftlerin

Wie wir auf das Teilen und die Verteilung schauen, ist nicht zuletzt auch eine Frage des Menschenbildes, sagt die Kognitionswissenschaftlerin Franca Parianen: Ist der Mensch tatsächlich, wie vor allem die Idee des Neoliberalismus meint, ein homo oeconomicus, dem es vorrangig um den eigenen Profit geht? Oder ist das nur eine Ideologie?
Sozialpsychologische Experimente wie auch neuere Erkenntnisse der Hirnforschung zeigen ziemlich eindeutig, dass das Teilen (und die Empathie) zur menschlichen Grundausstattung gehören. Zumindest bis zu einem bestimmten Grad: Wir teilen so lange gut und gerne, bis das Gegenüber mehr bekommt. Es handelt sich also auch um eine Sache der Gerechtigkeit.

Sozialpsychologische Experimente wie auch neuere Erkenntnisse der Hirnforschung zeigen ziemlich eindeutig, dass das Teilen (und die Empathie) zur menschlichen Grundausstattung gehören. Zumindest bis zu einem bestimmten Grad: Wir teilen so lange gut und gerne, bis das Gegenüber mehr bekommt. Es handelt sich also auch um eine Sache der Gerechtigkeit.

Was Menschen auszeichnet ist ihre Fähigkeit zur Zusammenarbeit. Nur deshalb war das, was wir Zivilisation nennen, möglich: Wir teilen die Chancen und die Risiken so, dass möglichst viele profitieren. "Teilen ist also oft nicht unbedingt eine Frage von großzügigem Verzicht, sondern langfristigem Gewinn. Es ist das rationale Verhalten." Hier geht es allerdings um kooperatives, nicht großzügiges Teilen.

Wie solch kooperatives Teilen zu Gewinn führt, zeigt sich am eindeutigsten beim Wissen: Es wächst quantitativ und qualitativ, wenn es geteilt wird. Ein Prinzip, das auf viele Lebensbereiche anwendbar ist. Insofern würde es Sinn machen, nicht immer nur von Verzicht und von Kosten zu sprechen, wenn es um Verteilung geht, sondern über den Gewinn nachzudenken. Zum Beispiel in Sachen Klimapolitik: Wenn wir hier großzügig investieren, retten wir vielleicht unser eigenes Überleben.

Was ist der Gewinn, wenn man etwas abgibt? Wie sollte die Gesellschaft ihre Verteilungsprobleme regeln? Was halten Sie es persönlich mit dem Teilen?

Hörer*innen können mitdiskutieren unter 0800 5678 555 oder per Mail unter philo@wdr.de

Redaktion: Gundi Große

Literaturhinweis: Franca Parianen: Teilen und Haben: Warum wir zusammenhalten müssen, aber nicht wollen. Dudenverlag, 2021.

Überlebenswichtig? - das Teilen

WDR 5 Das philosophische Radio 10.05.2021 55:48 Min. Verfügbar bis 10.05.2022 WDR 5


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