Wie bewerten Sie den Hintergrund der neuen Protestbewegungen?

 Aktivist*innen der Klimaschutzbewegung Fridays for Future halten bei einer Demonstration am 25.09.2020 ein Plakat mit der Aufschrift "Time to act, Fridays for Future".

Wie bewerten Sie den Hintergrund der neuen Protestbewegungen?

Was bewirkt Corona? Krisen und Katastrophen können auch die Wirkung haben, dass sie sichtbarer machen, was längst untragbar ist, sagt die Philosophin Eva von Redecker. Sie fordert eine Revolution für das Leben.

Eva von Redecker beschäftigt sich mit den philosophischen Hintergründen der neuen Protestformen, die in letzter Zeit immer deutlicher auf ihre Anliegen aufmerksam machen. Angefangen bei "Fridays for Future", über "Black Lives Matter" bis hin zu feministischen Initiativen, die gegen Gewalt an Frauen kämpfen oder indigenen Bewegungen, die auf ihre Interessen aufmerksam machen. Bei diesen Protestformationen geht es (...) um ein ganzes Bündel von Themen – Rassismus, Klimaschutz, Ökologie, Geschlechterrollen, auch der Tierschutz spielt eine zentrale Rolle. Aber: Gibt es auch einen gemeinsamen Nenner?

Die Philosophin Eva von Redecker

Die Philosophin Eva von Redecker

Eva von Redecker sagt: Die neuen Formen des Protests und Widerstands gehen von einer "Mobilisierung für akut bedrohtes Leben aus und kämpfen für die Aussicht auf geteiltes, gemeinsam gewahrtes und solidarisch organisiertes Leben". Das unterscheide sie auch von klassischen Protestbewegungen. Der neue Protest laufe auf eine "Revolution des Lebens" hin – in antirassistischer Mobilisierung gegen Polizeigewalt, im feministischen Kampf gegen Frauenmorde, in der Klimabewegung, deren Leitmotiv das Schreckbild eines toten Planeten ist.

Im Hintergrund, und das sei die zweite Gemeinsamkeit der neuen Protestformen, gehe es um die Wirkweisen des Kapitalismus. Denn in seiner maximal profitorientierten Ausprägung habe er fatale Konsequenzen nicht nur etwa in ökologischer Hinsicht, so Eva von Redecker, sondern auch in Bezug auf unsere Lebensformen und die Möglichkeiten, die wir zu leben haben. Um zu überleben, so die Logik der Protestformen, brauche es also eine Befreiung von kapitalistischer Herrschaft. Denn der Kapitalismus zerstöre das Leben. Diese Botschaft stecke in den Protesten.

Wie stehen Sie zu den neuen Protestformen – und zu ihren Themen? Welche Rolle spielt der Kapitalismus dabei? Braucht es eine Revolution für das Leben?

Hörer*innen können mitdiskutieren unter 0800 5678 555 oder per Mail unter philo@wdr.de.

Redaktion: Gundi Große und Heiko Hillebrand

Konstruktiv? - die Protestbewegungen

WDR 5 Das philosophische Radio 09.10.2020 53:47 Min. Verfügbar bis 09.10.2021 WDR 5


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Stand: 09.10.2020, 20:04