Wie betrachten Sie Kunst?

Wie betrachten Sie Kunst?

Das komplizierte Verhältnis von Wahrnehmen und Urteilen: Wer Kunstwerke ausgiebig betrachtet, kann fürs Leben lernen. Läßt sich die Kunst sogar als Schule des Sehens verstehen?

Detail des David, Statue von Michelangelo

Welche Rolle spielen die Sinneswahrnehmungen für das Denken und vor allem für das Urteilen mit Hilfe des Verstandes? Zwischen beidem besteht ein enges Verhältnis, so sollte man meinen, schließlich sind Wahrnehmungen so etwas wie die Stoffgrundlage des Denkens. Genauer betrachtet, ist das Verhältnis allerdings weitaus schwieriger, als es auf den ersten Blick scheint: Häufig macht man die Erfahrung, dass ein Urteil, das der Verstand gefällt hat, der Wahrnehmung mit dem Auge nicht standhalten kann.

Es scheint eine Differenz zu geben zwischen Sinneswahrnehmung und Verstand – der Philosoph Imanuel Kant sprach sogar von einem Abgrund. Der zeigt sich heute zum Beispiel in der Tatsache, dass man oft das Gefühl hat, viele der sprachlichen Begriffe, mit denen wir uns austauschen, würden mitunter der Realität nicht gerecht.

Die Frage ist, ob wir im Zuge der Aufklärung möglicherweise zu sehr und zu einseitig auf rationale Prozesse gesetzt haben und dadurch einen Teil der Realität mehr und mehr ausklammern.

Wie also lässt sich die Kluft zwischen Wahrnehmen und Urteilen überwinden? Für den Kunstwissenschaftler Michael Bockemühl, 1943 - 2009, war die Kunst eine Lösung. In der Betrachtung von Kunst, so war Bockemühl überzeugt, lässt sich ein anderes, ein umfassenderes Sehen lernen – und damit auch ein qualifizierteres Urteilen. Der Kunsthistoriker David Hornemann folgt seinem Denken in der Diskussion mit Studierenden und Moderator Jürgen Wiebicke.

Welche Rolle spielt die Wahrnehmung für das Denken und Urteilen? "Richtig sehen" - wie geht das?

Redaktion: Gundi Große

Literaturhinweis:
Michael Bockemühl: Kunst sehen - die Edition. Info3 Verlag, 2019.

Stand: 23.08.2019, 20:04