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ARD Infonacht
23.03 - 06.00 Uhr ARD Infonacht
Mann auf Hängematte

Wie rechtfertigen Sie den Müßiggang?

Einfach mal nichts tun? Oder sogar grundsätzlich alle Anstrengungen vermeiden? Die Faulheit passt nicht allzu gut in die Leistungsgesellschaft. Und sie verfügt seit jeher über einen schlechten Ruf, hat es sogar zur Todsünde gebracht. Zurecht?

Faulheit gilt als Laster. Entsprechend schlecht ist ihr Image. Faul zu sein, das ist etwas verwerfliches, das Gegenteil vom hoch geschätzten Fleiß. Das steckt übrigens schon in ihrer sprachlichen Bezeichnung: Faul wird das, was verdorben ist, und zwar als Folge eines Verwesungsprozesses, der aus Bewegungslosigkeit herrührt, sagt die Germanistin Daniela Strigl. Und die Trägheit steht ja nicht viel besser da, ebenfalls nicht so gern gesehen.

Ist die Faulheit also etwas ganz und gar verderbliches? Schon ihre sprachlichen Verwandten machen auf den ersten Blick deutlich, dass es genauer betrachtet so einfach nicht ist: Faulheit, Trägheit – und im Müßiggang steckt die Muße, also eine “wahrhaftig freie Zeit, ein Zustand der Entspannung und, modisch gesagt, Entschleunigung, der Freiheit zum Nichtstun oder Tun, der Freiheit von Druck oder gar Zwang.“ So betrachtet, sieht die Sache doch schon ganz anders aus.

Daniela Strigl

Die Germanistin Daniela Strigl

“Faulheit mag eine Charaktereigenschaft sein, aber sie ist auch ein Zustand. Sie passiert nicht einfach so, sie ergibt sich nicht zwangsläufig, man kann, man muss sie anstreben, planen, zelebrieren“, sagt Daniela Strigl. Damit wäre diese Faulheit erstaunlicherweise sogar ein erstaunlich aktiver Prozess. Und zwar einer, der in einer solchen Leistungsgesellschaft der Dauerverfügbarkeit wie der unseren das Potential zum subversiven Akt hat: Die Faulheit als ein Weg zur Freiheit, zur Zufriedenheit – möglicherweise sogar zum Glück? Dann müsste man sich fragen, ob nicht möglicherweise sogar ein Recht auf Faulheit angebracht wäre.

Welcher Müßiggang macht welchen Sinn? Was macht das Nichtstun mit unserem Selbstgefühl? Wie stehen Sie zur Faulheit?

Hörer:innen können mitdiskutieren unter 0800 5678 555 oder per Mail unter philo@wdr.de.

Subversiv? - die Faulheit

WDR 5 Das philosophische Radio 20.06.2022 53:03 Min. Verfügbar bis 20.06.2023 WDR 5


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Redaktion: Gundi Große

Literaturhinweis: Daniela Strigl: Gedankenspiele über die Faulheit. Droschl Verlag, 2021.