Salat aus Gurken, Tomaten, Feta und Zwiebeln daneben liegen 2 Stücke geröstete Brote

Was geschieht mit Ihnen, wenn Sie essen?

Was macht den Menschen aus? Wenn es um die Conditio humana, steht meist der Geist im Mittelpunkt der Überlegungen. Was aber macht das Wesen des Menschen aus, wenn wir auch seine Körperlichkeit bedenken?

Corine Pelluchon, die leicht an der Kamera vorbei sieht und dabei lächelt

Die Philosophin Corine Pelluchon

"Das Wesen des Menschen erschöpft sich nicht in seinem Verstand", sagt die französische Philosophin Corine Pelluchon. Wir sind abhängig von unserer Leiblichkeit, also von natürlichen Abläufen, von Mitmenschen – und nicht zuletzt von der Nahrung, die wir der Natur entnehmen. Der Mensch kann also nicht als autonomes Wesen, sondern muss von Beginn als ein "in-Beziehung-stehendes", ja sogar "von-Beziehung-abhängiges" Wesen gedacht werden. Die Ernährung ist eine elementare Dimension. "Essen und Arbeit befriedigen nicht nur unsere Bedürfnisse, sondern sie nähren auch unser Leben, indem sie ihm Sinn und Geschmack verleihen – oder auch nicht."

"Nahrung" bedeutet nicht nur die lebensnotwendige Ernährung, sondern auch die Freude, die wir dabei erfahren können: "Der Genuss ist ein Existenzial, das heißt ein Wesensmerkmal des Menschen." Die Dinge, von denen wir leben, sind nicht rein funktional, sie befruchten auch unsere Sinne: Die Welt ist Nahrung für uns; unsere ursprüngliche Beziehung zur Welt ist eine Genussbeziehung. Und: Wir sind notwendig immer in dieser Beziehung, von Geburt an.

Sobald wir essen oder irgendwo wohnen, sind wir in Kontakt mit anderen, sagt Corine Pelluchon. Und weil unsere Art zu essen oder Land zu nutzen immer auch Auswirkungen auf die Anderen und das Andere hat, offenbart sich hier eine grundlegende ethische Dimension unserer Existenz: "Was ich esse, offenbart für welche Werte ich stehe und ich welcher Weise ich leben will."

Erfüllend? - unsere Ernährung

WDR 5 Das philosophische Radio 20.12.2021 53:39 Min. Verfügbar bis 20.12.2022 WDR 5


Download

Welche Rolle spielt die Leiblichkeit des Menschen für seine Existenz? Was heißt es, dass wir von Nahrung, also von unserer Umwelt abhängig sind? Wovon leben wir, wenn wir ein gutes Leben führen wollen?

Hörer:innen können mitdiskutieren unter 0800 5678 555 oder per Mail unter philo@wdr.de.

Redaktion: Gundi Große