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Wie ändert Corona Ihre Zeitwahrnehmung?

Eine Uhr hängt über der Silhouette eines Menschen

Wie ändert Corona Ihre Zeitwahrnehmung?

Zwischen eigener Zeit-Wahrnehmung und gesellschaftlichen Zeit-Strukturen hat "die Zeit" viele verschieden Facetten und Dimensionen. Was bedeutet das in einer Krisen-Zeit?

Die Zeit ist ein ganz wichtiger Faktor, wenn es um den Corona-Virus geht. Das fängt an bei der Inkubationszeit. Es betrifft die Zeit, die bleibt, damit Eindämmungsmaßnahmen erfolgreich sein können. Es gibt eine Zeit des Wartens, auf Testergebnisse, auf das Ende einer Quarantäne. Und es existiert auch hier ein seltsamer Widerspruch: Hektisch prallen neue Krisen-Meldungen, Zahlen und Fakten aus aller Welt auf uns ein – zugleich kann zu Hause, in Isolation, die Zeit auch ganz schön lang werden. Stichwort: Langeweile. Oder ist das für die, die gesundheitlich nicht betroffen sind, doch eher die lang ersehnte Gelegenheit, endlich mal aus dem Diktat der Beschleunigung entfliehen zu können?

Entschleunigt? - Zeitwahrnehmung in der Krise

WDR 5 Das philosophische Radio 20.03.2020 54:27 Min. Verfügbar bis 20.03.2021 WDR 5

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Christoph Quarch

Der Philosoph Christoph Quarch

Dabei wissen wir gar nicht so genau, was das eigentlich ist, die Zeit. Auf jeden Fall – ein Mysterium. "Was ist also die Zeit? Wenn mich niemand darüber fragt, so weiß ich es; wenn ich es aber jemandem auf seine Frage erklären möchte, so weiß ich es nicht", formulierte Augustinus schon im 4. Jahrhundert. Die Idee einer abstrakten, also messbaren Zeit, existiert noch länger, sie stammt von dem antiken Philosophen Aristoteles. Auch Platon ging von einer meßbaren Zeit aus, er sah sie allerdings nur als eine von mehreren Dimensionen der Zeit, die unterschiedliche Qualitäten aufweisen kann. Das zeigt sich, so der Philosoph, Christoph Quarch, nicht zuletzt auch sehr anschaulich bei der Langweile. Sie kann eintönig und belastend sein. Positiv betrachtet, sieht es allerdings ganz anders aus. Denn in dem Wort "weilen" steckt auch die Möglichkeit eines intensivierten Seins in der Zeit: "Hier bin ich Mensch, hier will ich weilen." Und so gesehen – kann der Aufenthalt letztlich dann sogar ausgesprochen kurzweilig sein.

Langeweile oder Entschleunigung? Wie gehen Sie in diesen Tagen mit Ihrer Zeit um?

Hörer können mitdiskutieren unter 0800 5678 555 oder per Mail unter philo@wdr.de.

Redaktion: Gundi Große