Wo halten Sie die Tauschgerechtigkeit für angebracht?

bunte, enge Verkaufstände mit viel Auswahl an Obst und Gemüse

Wo halten Sie die Tauschgerechtigkeit für angebracht?

Wie gerecht ist unsere Gesellschaft? Kommt darauf an, was man unter Gerechtigkeit versteht. Je nachdem gibt es auf jeden Fall Gesprächsbedarf.

Die gesellschaftliche Gerechtigkeit ist seit der Antike eines der zentralen Themen der Philosophie. Schon Aristoteles forderte eine Form der Gerechtigkeit, die soziale Missstände ausgleicht, die "iusititia correctiva". Dabei soll nach dem Kriterium der Gleichheit getauscht werden – eine Tauschgerechtigkeit also. Was in unserer Gesellschaft in Sachen Gerechtigkeit praktiziert wird, ist dagegen eine "iustitia distributiva"; eine Verteilungsgerechtigkeit, die regelt, was dem Einzelnen zusteht. Hier geht es vor allem darum, wie das auf den Märkten Erwirtschaftete verteilt werden soll. Auf den Märkten an sich spielt Gerechtigkeit im Prinzip keine Rolle.

Dahinter steckt eine Änderung, die zu Beginn der Moderne durchgesetzt wurde: Gerecht war danach nicht mehr eine Vereinbarung, bei der Gleiches mit Gleichem getauscht wurde. Stattdessen konnten zwei Partner fortan die "Geschäfte" frei vereinbaren, die sie für richtig hielten. Das brachte zwar mehr Freiheit – entkoppelte den Gleichheitsgrundsatz: Investition wurde fortan gemacht, um Gewinn zu erwirtschaften. Die Tauschgerechtigkeit spielt dadurch in unserem Repertoire des Nachdenkens über soziale Gerechtigkeit keine Rolle mehr, so die These von Christoph Fleischmann. Möglicherweise könnte sie aber eine Option sein, wenn es um die Lösung drängender Probleme geht. Das betrifft nicht bloß die soziale Frage, sondern auch die ökologische.

Leben wir in einer gerechten Gesellschaft – oder gibt es Verbesserungsbedarf? Wie stehen Sie zur Frage der Tauschgerechtigkeit?

Hörer können mitdiskutieren unter 0800 5678 555 oder per Mail unter philo@wdr.de.

Eine Alternative? - Tauschgerechtigkeit

WDR 5 Das philosophische Radio | 14.09.2018 | 53:29 Min.

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Redaktion: Theodor Dierkes / Gundi Große

Literaturhinweis:
"Nehmen ist seliger als geben. Wie der Kapitalismus die Gerechtigkeit auf den Kopf stellte".
Autor: Christoph Fleischmann
Rotpunktverlag, 2018

Stand: 14.09.2018, 20:05