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Wie steht es um die Idee der liberalen Demokratie?

Ein Pro-Demokratie-Plakat, das während einer Demonstration hochgehalten wird

Wie steht es um die Idee der liberalen Demokratie?

Nach dem Ende des Kalten Krieges schien der Erfolg des Systems liberaler, weltoffener Demokratien sicher, sogar vom "Ende der Geschichte" war die Rede. Heute sieht es anders aus. Was bewirkt in diesem Konflikt die Corona-Krise?

Die letzten Jahre sind gekennzeichnet von einer globalen Erfolgswelle populistischer Politik, die sich im Widerspruch zur Idee westlich-liberaler Demokratien positioniert. Das verunsichert, und die liberale Fortschrittsentwicklung seht in Frage, sagt Andreas Reckwitz. "Die Erwartungen erweisen sich heute als Illusionen, das Ergebnis ist Desillusionierung." Die Folge: Vielerorts herrscht ein dystopisches Denken. Ein Problem auch deshalb, weil die Gesellschaft zerrissen ist, viele sind verunsichert, so beobachtet der Soziologe, der mit seiner Idee einer "Gesellschaft der Singularitäten" bekannt wurde: Die Gesellschaft ist demnach nicht mehr vorwiegend vom Allgemeinem gekennzeichnet, sondern von Besonderheiten. Damit wird auch "die" große gesellschaftliche Erzählung obsolet – und es braucht eine Akzeptanz von Komplexität, eine gewisse "Ambiguitätstoleranz".

Portrait von Andreas Reckwitz

Andreas Reckwitz, Soziologe

In einer großen Krisenzeit zeigt sich der fragile Charakter einer gesellschaftlichen Struktur um so deutlicher, sagt der Soziologe. Die Corona-Krise habe allerdings auch das Potential zu einem Wandel des Staates und der Regierungspolitik. Nach den Jahren der Liberalisierung habe sich schon länger eine Tendenz dahin entwickelt, dass bestimmte staatliche Regulierungen nötig sind. "Es ist sehr zu vermuten, dass die Pandemie dieser Renaissance des Staates einen Schub gibt."

Wie steht es um die Idee der liberalen Demokratie? Welche Folgen hat die Corona-Krise mit Blick auf die Bedeutung des Staates?

Zukunftsträchtig? - liberale Demokratien

WDR 5 Das philosophische Radio 22.05.2020 53:44 Min. Verfügbar bis 22.05.2021 WDR 5

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Hörer können mitdiskutieren unter 0800 5678 555 oder per Mail unter philo@wdr.de.

Redaktion: Gundi Große

Literaturhinweis: Andreas Reckwitz: Das Ende der Illusionen. Politik, Ökonomie und Kultur in der Spätmoderne. edition suhrkamp, 2019.