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Wie vereinbaren Sie Glauben und Wissen?

Jürgen Habermas

Wie vereinbaren Sie Glauben und Wissen?

Wie spielen Philosophie und Religion zusammen? Eine zentrale Fragestellung in Jürgen Habermas´ neuem Werk "Auch eine Geschichte der Philosophie". Glauben und Wissen, wie passt das zusammen in unseren Zeiten?

Die Religion hat im Spätwerk des Philosophen einen unerwartet hohen Stellenwert. Neben biographischen hat das vor allem gesellschaftliche Gründe: Zum einen hat sich die Säkularisierungsthese als nur bedingt zutreffend erwiesen - Religion ist wohl doch kein Auslaufmodell wie vor einigen Jahren noch vermutet, so scheint es. Zum anderen können Inhalte religiösen Glaubens, so zeigt sich, Sicherheiten in einer, so Habermas, "entgleisenden Moderne" geben, die durch einen entfesselten Kapitalismus, durch die immensen bioethischen Herausforderungen, aber auch durch die Krise der Demokratie und die Krise des Subjekts gekennzeichnet ist.

Möglich? Gotteswiderlegungen

WDR 5 Das philosophische Radio 24.01.2020 54:00 Min. Verfügbar bis 23.01.2021 WDR 5

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Portrait von Martin Breul

Theologe Martin Breul

Religiöse Begründungen für Gesetze sind in liberalen Demokratien natürlich nicht angezeigt, so der Philosoph, aber es gibt die Möglichkeit einer "rettenden Übersetzung" religiöser Inhalte in säkulare Sprache. Habermas beharrt auf einer strikten Grenze zwischen Glauben und Wissen - Religion kann aber in ihrer Funktion, weniger mit den Inhalten Teil der Frage sein, was einen guten Staat ausmacht. Das betrifft insbesondere auch moralische Fragen, die immer auch von religiösen Vorstellungen geprägt sein können. Wenn das so ist, stellen sich allerdings auch für moderne Religionen gewisser Herausforderungen - zum Beispiel die "Autonomie der Moral" anzuerkennen, die besagt, dass der Mensch, nicht Gott, rechtfertigt, was "gut" ist. Ebenso wichtig: Abgrenzung von Fundamentalismus, nur eine Pluralität der Religionen ist (in einer Demokratie) legitim.

Welche Bedeutung haben die Religionen in einer liberalen Demokratie? Glauben oder Wissen – was ist wichtiger für Sie?

Hörer können mitdiskutieren unter 0800 5678 555 oder per Mail unter philo@wdr.de.

Redaktion: Gundi Große

Stand: 17.01.2020, 20:04