Hörbuchcover: "Die Bäder von Lucca" von Heinrich Heine

"Die Bäder von Lucca" von Heinrich Heine

Stand: 10.07.2022, 18:51 Uhr

"Die Bäder von Lucca" sind ein Teil der sog. 'Reisebilder', die Heine ab 1826 nach und nach veröffentlichte. Es sind Texte, in denen seine politische und gesellschaftskritische Haltung deutlich hervortritt, und die deswegen das Urteil über ihn nachhaltig bestimmt haben.

Tatsächlich reiste Heinrich Heine im Jahr 1828 auch nach Italien und in die Toscana; die Kapitel in "Die Bäder von Lucca" sind aber kaum als Bericht über Land und Leute zu lesen. Sie beginnen als Posse, mit einigen exaltierten Hauptpersonen. Da ist neben dem Dichter selbst der Bankier Christian Gumpel, genannt Gumpelino; er ist in die verheiratete Lady Maxfield verliebt. Hyazinth heißt sein schrulliger Diener, der seinem Herrn bei erotischen Arrangements behilflich ist. Heine läßt sich gerne in die amourösen Tändeleien hineinziehen; aber als Gumpelino sich bei seinen Liebensbekundungen auf die Gedichte des August Graf Platen beruft, kippen die Stimmung und der Charakter des Textes: aus der Posse wird eine scharfe Polemik gegen den Dichterkollegen Platen. Heine outet Platen als Homosexuellen und Päderasten, und reagiert damit seinerseits auf antisemitische Verunglimpfungen von Seiten Platens.

Möglicherweise hat Heine den Dichterstreit später bereut; jedenfalls hat er überlegt, den Schluss des Textes aus späteren Auflagen zu streichen. "Ohrclip" setzt die Bedenken Heines in die Tat um und sendet die Lesung ohne die polemischen Anwürfe Heines. Übrig bleibt eine höchst vergnügliche Satire auf menschliche Verhaltensweisen, die der Sänger Dietrich Fischer-Dieskau mit Temperament und Freude an der Überspitzung liest.

Bearbeitung: Cornelia Müller
Redaktion: Stefanie Laaser

Literaturangaben:
Hörbuch:

Heinrich Heine: Die Bäder von Lucca
Gelesen von Dietrich Fischer-Dieskau
DAV-Der Audio-Verlag, 1mp3CD, Laufzeit 1h 53 Minuten

Buch:
Edition Holzinger, Berliner Ausgabe