Von großen Plänen und einem Plan B

Von großen Plänen und einem Plan B

Von Claudia Friedrich

Planung ist ein uraltes Konzept, um die eigene Position in der Welt zu bestimmen, um Zukunft zu gestalten. Bis 1700 sorgte sich Gott um das, was sein wird, ab 1800 übernahmen Pläne die Funktion. Zukunft: Ja. Zufall: Nein. Doch wehe, das Sein kommt aus dem Takt.

Navigationssysteme im Auto

Navis haben stets einen metergenauen Plan. Für die Verortung eines Objekts oder einer Person sorgen mindestens vier Satelliten. Ihre Funksignale schießen mit Lichtgeschwindigkeit durch den Kosmos und bestimmen den Standort, projizieren die Position auf elektronische Karten. Rund 35 Millionen Autofahrerinnen und Autofahrer planen nicht selbst, sie lassen planen.

Navis haben stets einen metergenauen Plan. Für die Verortung eines Objekts oder einer Person sorgen mindestens vier Satelliten. Ihre Funksignale schießen mit Lichtgeschwindigkeit durch den Kosmos und bestimmen den Standort, projizieren die Position auf elektronische Karten. Rund 35 Millionen Autofahrerinnen und Autofahrer planen nicht selbst, sie lassen planen.

Sie ist Griechin, schlank, hoch und sehr stark: die Gefyra, die Brücke. Ein Konstrukt aus Stahl, Beton und Zartheit. Von einem internationalen Team geplant und gebaut. Die Gefyra spannt sich über den Meeresarm zwischen dem griechischen Festland im Norden und Peloponnes im Süden. Ein Technikwunder. Brücken zu bauen wie die Gefyra ist die Königsdisziplin der Ingenieurskunst.

Kaum jemand macht sich Gedanken, welche Wege der Strom nimmt. Er kommt aus der Steckdose. Fertig. Welch komplexe Planungen dahinter stehen, wird erst erahnt, wenn die Lichter ausgehen.

Wer hat einen Plan B, wenn unser ausgeklügelter Stromplan versagt? Menschen wie die Wildnispädagogin Mia Hoffmann wissen sich zu helfen. Sie halten trockenes Gras in den Händen, pusten ihre Atemluft in die Funken, entfachen riesige Flammen, legen Totholz ins Feuer, warten Stunden, bis die Glut satt und heiß wird, dass selbst die Steine schwitzen. Eine uralte Kulturtechnik, ohne Hilfsmittel ein Feuer zu entfachen.

Nach wie vor greifen Architekten zu Stift und Papier, wie der niederländische Architekt Koen Olthuis. Aufs Pergament zeichnet er Bauten für die Zukunft: Mietshäuser, die nicht auf dem Land stehen, sondern auf schwimmenden Plattformen.

In der DDR lernte sie ihr Handwerk, in der BRD begann sie ihre Karriere als selbständige Zahnärztin. Sie hat beides erlebt: staatliche Planwirtschaft und freie Marktwirtschaft.

Gril stammt aus der Inneren Mongolei. Als Literaturwissenschaftlerin arbeitete sie an der Uni in Bonn, heute führt sie einen Teeladen voller Duft und Farben. Sie kennt drei Konzepte: die öffentliche Hand der Fünfjahrespläne in der Republik China, die unsichtbare Hand des freien Marktes und die Planung mongolischer Nomadinnen und Nomaden, die sich nach den Jahreszeiten richtet.

Das Herz der 300 Jahre alten Orgel schlägt hinter den Kulissen, in den Windladen des Hauptwerks mit ihren Kanzellenschubladen (Kanzellen sind die einzelnen Kammern in der Windlade). Eine Perle des Barock, die aus rund 3000 gehämmerten Pfeifen aus Blei besteht. Mehrfach wurde die Orgel umgebaut und führte ein Schattendasein. Irgendwann war der Plan gereift. Die Orgel soll so klingen und aussehen wie in ihren jungen Jahren. 1993 gab es die ersten Planungen für eine Restauration. 1999 entstand ein Rahmenplan, 2003 ein Restaurierungskonzept. 2011 wurde sie feierlich eingeweiht.

Spielen nach Plan? Nicht immer, denn auch eine Orgel hat Befindlichkeiten, vor allem diese. Allein das Wetter kann sie durchaus verstimmen. Dennoch möchte Jörg Krämer seine "alte Dame" nicht missen, denn sie hat Charakter.

Manchmal hilft alles Planen nicht. Spätestens, wenn die Lautsprecherstimme mürrisch über den Bahnsteig fegt: "Planmäßige Abfahrt war...".

Sie haben einen Plan: Ameisen. Sie bauen Burgen, sonnen sich auf der Terrasse ihrer Hügel, um die Wärme anschließend ins Haus zu tragen. Sie bauen Straßen, Schlösser, peppeln den Nachwuchs. Es gibt keine Chefetagen, dafür Millionen Arbeiterinnen, die offensichtlich wissen, was sie tun.

Kein Plan von einer Spur. Die wurde vom Winde verweht. Macht nichts. Spazieren ist spontan, ist selbstvergessen, ist Schlendern ohne jede Absicht. Nur der Aufbruch, der ist gewollt.

Software berechnet präzise die Route und legt sie auf elektronische Karten. Niemand muss je wieder verpeilt sein, zumindest nicht auf Autostraßen und Fernwanderwegen. Forsche Stimmen sagen, wo’s lang geht. Apps ermöglichen die direkte Kommunikation mit dem sozialen Netz. Jeder zehnte Smartphone-User informiert Freunde und Bekannte über den aktuellen Aufenthaltsort, via Twitter, Facebook, Whatsapp etc. Der Markt blüht und das Ziel ist längst nicht erreicht.

Stand: 29.12.2017, 12:25 Uhr