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Sylt rettet sich selbst

Sylt rettet sich selbst

Sylt gilt für viele als Traumurlaubsort. Die "Ur-Einwohner" Sylts ziehen weg, weil die Insel zu teuer wird - gleichzeitig gibt es Vereine, die genau da verhindern wollen. Sie wollen Geisterdörfer auf Sylt wieder zum Leben erwecken.

Reetbedeckte Häuser und gepflegte Vorgärten in Keitum auf Sylt

Keitum ist der älteste Ort der Insel und war lange deren Mittelpunkt. Sylts ursprüngliche Bewohner haben immer auf der Ostseite gebaut. Niemand, der bei Verstand war, wollte sich den Stürmen aussetzen, die auf der Westseite toben. Erst die Zugezogenen der Neuzeit bauten auf der Westseite, weil sie die Nähe zur Brandung suchten.

Keitum ist der älteste Ort der Insel und war lange deren Mittelpunkt. Sylts ursprüngliche Bewohner haben immer auf der Ostseite gebaut. Niemand, der bei Verstand war, wollte sich den Stürmen aussetzen, die auf der Westseite toben. Erst die Zugezogenen der Neuzeit bauten auf der Westseite, weil sie die Nähe zur Brandung suchten.

Auch dieses Haus stand in Keitum bereits zum Verkauf. Die Immobilienpreise sind überall auf Sylt in den letzten Jahren explodiert. Einige der alten Kapitänshäuser wechseln mittlerweile für fünf Millionen Euro den Besitzer.

In den Sommermonaten findet "Living History" in Keitum statt. Die Schauspieler verkörpern Menschen, die tatsächlich auf Sylt gelebt haben. Und auch die Spielszenen sind historisch verbürgt. Sie stammen aus Chroniken und alten Kirchenbüchern.

Dieses Paar stellt Kirsten und Bleick Peters dar. Sie haben das "Altfriesische Haus", vor dem sie posieren, erbaut und sich bereits vor der Fertigstellung über die Einrichtung gestritten. Diese Szene kommt bei "Living History" zur Aufführung. Heute ist in dem wunderschönen Haus das örtliche Heimatmuseum untergebracht.

Während es in Keitum noch ein dörfliches Leben und viele "Alt-Sylter" gibt, bestimmen in Kampen Luxus-Boutiquen und Spitzenrestaurants das Ortsbild. Diese Entwicklung begann bereits in den 1960er Jahren, als mit Günther Sachs der internationale "Jet Set" Gefallen an der Insel fand. Seither haftet Sylt der Ruf einer "Promiinsel" an.

Betongold – in Immobilienspekulationen sehen viele Sylter das größte Problem der Insel. Mittlerweile fordern Politiker verschiedener Parteien, dass es keine weiteren Zweitwohnungen mehr geben darf. Denn viele dieser Zweitwohnungen sind nur wenige Wochen im Jahr bewohnt – ansonsten verbreiten sie Dunkelheit und Tristesse. Das Fehlen der Bewohner zerstört die dörfliche Infrastruktur und das Miteinander in der Nachbarschaft. So fehlt etwa das Personal für die freiwillige Feuerwehr.

Einige Dörfer, in denen es besonders viele Zweitwohnungen gibt, werden auf Sylt als "Geisterdörfer" bezeichnet. Dazu zählt auch der kleine Ort Munkmarsch, wo es keinerlei Dorfleben mehr gibt.

Auch die enorme Zunahme von Ferienhaussiedlungen stellt ein großes Problem auf Sylt dar. Für die Eigentümer ist es weit lukrativer ihre Wohnungen an Urlauber, als an Ortsansässige zu vermieten. In der Folge gibt es für Normalverdiener auf Sylt kaum bezahlbaren Wohnraum und sie sind gezwungen, die Insel zu verlassen.

Um der Wohnungsmisere und dem Exodus junger Familien Herr zu werden, baut die Inselregierung eifrig. Neubausiedlungen wie diese in Westerland bieten auf kleinem Raum möglichst viel Wohnraum – sehr zum Ärger derer, die durch diese Komplexe den Inselcharakter gefährdet sehen.

Seit gut zwei Jahren muss sich Sylt zudem mit einem Bahnchaos auseinandersetzen. Da die Strecke eingleisig ist, kommt es fast täglich zu Verspätungen und Zugausfällen. Für die vielen Pendler, die auf dem Festland leben und auf der Insel leben, ist diese Situation untragbar. Sie haben sich organisiert und mittlerweile hat sich auch der Sylter Bürgermeister mit dem Berliner Verkehrsminister angelegt.

Stand: 27.09.2018, 15:16 Uhr