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50 Jahre Stonewall - 50 Jahre CSD

50 Jahre Stonewall - 50 Jahre CSD

Der Aufstand gegen eine Polizeirazzia im "Stonewall Inn" in der New Yorker Christopher Street gilt als Initialzündung einer weltweiten Schwulen- und Lesbenbewegung.

Fahnen schmücken die Bar Stonewall Inn in New York

Das hat sich vor einem halben Jahrhundert wohl kaum einer vorstellen können: New York erwartet rund vier Millionen Besucher zum 50. Jahrestag der Proteste gegen die Unterdrückung Homosexueller. Ziel vieler Pride-Gäste ist das "Stonewall Inn", jene Bar in Greenwich Village, in der sich Lesben und Schwule gegen die Schikanen der Polizei wehren. Das "Stonewall Inn" wird zur Keimzelle der Protestbewegung.

Das hat sich vor einem halben Jahrhundert wohl kaum einer vorstellen können: New York erwartet rund vier Millionen Besucher zum 50. Jahrestag der Proteste gegen die Unterdrückung Homosexueller. Ziel vieler Pride-Gäste ist das "Stonewall Inn", jene Bar in Greenwich Village, in der sich Lesben und Schwule gegen die Schikanen der Polizei wehren. Das "Stonewall Inn" wird zur Keimzelle der Protestbewegung.

Schon zum ersten Jahrestag des Stonewall-Aufstands ziehen etwa 4.000 Homosexuelle durch New York und fordern Gleichberechtigung, heute erinnert der jährliche Christopher Street Day (CSD) weltweit an die Vorfälle. Und in Deutschland?

"Für die Schwulen in der BRD war 1969 die Liberalisierung des Paragrafen 175 viel wichtiger", meint Historiker Marcus Velke vom Centrum Schwule Geschichte in Köln. Als bewussten Kontrapunkt zum Stonewall-Jubiläum hat er die Ausstellung konzipiert "Im Namen des Volkes!? §175 StGB im Wandel der Zeit".

Auch der Eklat in der Bonner Beethovenhalle 1980 ist in der Ausstellung dokumentiert. "Mit dem Eklat war die Bewegung ein stückweit am Ende, weil sie damit für die Politik als ernstzunehmender Gesprächspartner ausgefallen ist", sagt Marcus Velke.

Werner Janik-Mehlem hat mehrere Aktenordner mit Erinnerungen aus dieser Zeit. Der 70jährige hatte sein Coming Out am 31. Januar 1972, ausgelöst durch Rosa von Praunheims Film "Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt" im WDR Fernsehen. Knapp drei Monate später fuhr er zur bundesweit…

...ersten Schwulendemo im katholischen Münster. Ein paar hundert Schwule zogen an ungläubigen Passanten vorbei. In dieser Zeit bildeten sich homosexuelle Emanzipationsgruppen in der gesamten BRD – vor allem im linken studentischen Milieu. Der Mit-Autor des Praunheim-Films, Martin Dannecker, war auch da.

1974 spalteten sich viele Lesben ab und gingen in der Frauenbewegung auf. In diesem Jahr gründeten sich auch die Flying Lesbians, die erste reine Frauenrockband auf dem europäischen Festland. Als Logo wählten sie mit der Amazonenaxt "das Zeichen der matriarchalischen Weltherrschaft".

Ihren ersten Auftritt vor 2.000 Frauen hatten die Flying Lesbians eher durch Zufall. Bei der bundesweit ersten reinen Frauenfete in der alten TU Mensa Berlin hatte die eigentlich gebuchte Band kurzfristig abgesagt. "Wir sind mit sage und schreibe vier Songs auf die Bühne", erinnert sich Monika Mengel", aber die Frauen haben völlig enthemmt getanzt, sich geküsst und am Ende die Bühne gestürmt".

Erst mit dem sogenannten "Ihns-Andersen-Prozess" 1974 ist eine Frauen-Homosexuellen-Emanzipationsbewegung entstanden, sagt Irene Franken vom Kölner Frauengeschichtsverein. Damals sind im Gerichtssaal ein paar Frauen aufgestanden, auf deren T-Shirts stand "Gegen geile Presse – für lesbische Liebe".

Auslöser war eine Serie der Bild-Zeitung: "Die Verbrechen der lesbischen Frauen", die Lesben pauschal kriminalisierte. Marion Ihns und Judy Andersen hatten im Oktober 1972 einen Mann beauftragt, den gewalttätigen Ehemann von Ihns zu ermorden. Schon unmittelbar nach der Tat 1972 begann die Hetzkampagne und gipfelte im Prozess 1974.

Kennengelernt haben sich Werner Janik und Ernst Mehlem im Sommer 1975 an einem Badesee in Bonn. Von da an haben sie gemeinsam für die Rechte von Homosexuellen gekämpft – für die Abschaffung des Paragrafen 175 und für die Ehe für Alle.

Klar, dass sich die beiden direkt am 1. August 2001 als Bonns erstes schwules Paar verpartnern ließen. Mit riesiger Hochzeitstorte, vielen Gästen, einer Ballonfahrt den Rhein entlang und natürlich Hund Pucki. Ernst Mehlem und Werner Janik-Mehlem gehörten dann auch zu den ersten, die am 2. Oktober 2017 geheiratet haben.

Stand: 28.06.2019, 10:05 Uhr