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Winzer im Siebengebirge

Winzer im Siebengebirge

Lange wurde er geschmäht, doch mittlerweile gewinnt der Wein aus dem Siebengebirge mehr und mehr Fans. Die Winzer*innen am Rhein profitieren nämlich vom Klimawandel.

In seinem dritten Berufsleben ist Kay Thiel Winzer geworden. Zuvor war der 59-Jährige gebürtige Kölner Schauspieler und IT-Berater. Mit dem Weinbau hat er sich einen Lebenstraum erfüllt.

Die Weinlagen im Siebengebirge sind kleinteilig und steil. Kay Thiel baut seinen Wein auch auf dem "Pfaffenröttchen" an – diese Lage wurde 1329 von den Zisterziensern, die im benachbarten Kloster Heisterbach lebten, als Hausweinberg ausgesucht.

Kay Thiel ist der erste Bio-Winzer im Siebengebirge. Als Biolandbetrieb arbeitet er ohne Insektizide. Statt Glyphosat einzusetzen, mäht der Winzer die steilen Hänge. Das dauert viermal so lang – ist für ihn aber alternativlos.

Dass der Autodidakt Kay Thiel so gut im Siebengebirge zurechtkommt, ist auch der Freundschaft mit Felix Pieper zu verdanken. Felix Pieper betreibt in dritter Generation Weinbau zu Füßen des Drachenfels und unterstützt den Neuzugang nach Kräften.

Rund 70.000 Liter Wein von Piepers wird hier dieses Jahr hier ausgebaut werden – und 4.000 von Kay Thiel. Der Newcomer kann die Weinpressen und anderen Einrichtungen des Traditionsunternehmens mitbenutzen.

Die Familie Pieper betreibt unmittelbar neben ihrem Keller ein uriges Weinhaus, das sich großer Beliebtheit erfreut. Coronabedingt sind aktuell allerdings auch hier die Sitzmöglichkeiten eingeschränkt.

Auch Rotwein gedeiht im Siebengebirge. Neben dem klassischen Riesling, für den die Region bekannt ist, werden noch Burgunderweine, Elbing, Malinger und viele weitere Trauben angebaut.

Seit Jahrzehnten hatte es nur noch drei Winzerfamilien im Siebengebirge gegeben: die Familien Pieper, Blöser und Broel. Die jüngere Generation der Winzer, wie hier Bernd Blöser auf dem Foto, arbeitet mittlerweile eng zusammen, um die Zukunft der Anbauregion zu sichern.

Das große Vorbild der Siebengebirgswinzer sind die Kollegen im Ahrtal. Den dortigen Winzern ist es schon vor Jahrzehnten gelungen, gemeinsame Qualitätskriterien zu schaffen und so das Preisniveau anzuheben.  

Im Siebengebirge gibt es fast ausschließlich Steil- und Steilstlagen, wo teilweise keine Maschinen reinfahren können. Dort ist nur Handarbeit möglich und diese Arbeit müssen die Winzer über die Weinpreise wieder hereinbekommen.

Benjamin Häfner hat mit "RheinAhrWein" ein Konzept geschaffen, das dem Gedanken der Regionalität hundertprozentig gerecht wird. Denn "regional" bedeutet bei ihm, dass alle Weine aus einem Radius von ca. 50 Kilometern stammen.

Stand: 08.09.2020, 15:46 Uhr