Big Data – Über die Krise des Journalismus

Michael Steinbrecher, Journalist

Big Data – Über die Krise des Journalismus

Der Facebook-Datenskandal ist nur ein Beispiel von vielen - durch die Digitalisierung ändert sich der Charakter von "Öffentlichkeit" grundlegend. Was bedeutet das für die Demokratie, was für den Journalismus?

"Fake News" beeinflussen Wahlen, Roboter-Programme prägen Meinungsdiskurse, künstliche Intelligenzen verfassen Texte – und zugleich steht der klassische Journalismus unter Beschuss, Stichwort "Lügenpresse". Hinzu kommt, dass die Medienmacht sich konzentriert; insbesondere bei den Internet-Konzernen aus den USA.  "Die Themen drängen zum Handeln. Denn es geht nicht nur um Meinungsmache. Es geht um Kontrollverlust." Wie gravierend die Entwicklung ist, sagt Michael Steinbrecher, wird einem klar, wenn man nur ein paar Jahre zurückblickt: 1987 zum Beispiel habe es massiven Widerstand gegen die Datenerhebung im Rahmen der Volkszählung gegeben – heute geben die die Meisten ihre Daten freiwillig heraus, durch Nutzung sozialer Medien. 

Eine zentrale Rolle spielen dabei die Algorithmen, mit denen die Daten von großen Konzernen wie Google, Facebook, Twitter, Apple und Co. verwaltet – und verwendet werden. Und einfach nur "unschuldige" Daten, meint Steinbrecher, gibt es nicht: "Der Gefahr der Manipulation sind wir schon erlegen, wenn wir nicht wissen, wer was warum für uns auswählt." Und diese an sich schon schwer lösbare Problematik der Transparenz der digitalen Prozesse ist nur eine Facette von vielen, die am Selbstverständnis einer demokratischen Öffentlichkeit rühren - das Problem ist grundlegend: "Ist das, was wir derzeit erleben ein Angriff auf unsere grundrechtlich geschützte Privatsphäre? Ein Angriff auf die Demokratie? Und wenn wir das befürchten sollten, tun wir etwas dagegen?"

Michael Steinbrecher, geboren 1965 in Dortmund, ist Journalist und Medienwissenschaftler. Von 1992 bis 2013 hat der Grimme-Preisträger “Das aktuelle Sportstudio“ moderiert; seit 2015 gestaltet er das SWR-“Nachtcafé“. Im Hauptberuf bildet Steinbrecher heute als Professor junge Journalisten an der TU-Dortmund aus.

Literaturtipp:
Michael Steinbrecher/Günther Rager: Journalismuskrise, Social Bots und der Angriff auf die Demokratie. Westend Verlag, 2018. ISBN 9783864892110. 250 Seiten. Euro 18.

Redaktion: Claudia Dammann

Big Data - Michael Steinbrecher über die Krise des Journalismus

WDR 5 Neugier genügt - Redezeit | 13.04.2018 | 27:04 Min.

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