Der "Wohnwahnsinn" in Deutschland

Demonstrantin mit Plakat

Der "Wohnwahnsinn" in Deutschland

Wer in einer deutschen Großstadt auf Wohnungssuche geht, muss sehr tapfer sein: Wegen des mangelnden Angebots und weil man sich den erschreckenden Mietpreisen stellen muss, erzählt die Journalistin Utta Seidenspinner in der Redezeit.

Die Deutschen waren und sind ein Volk von Mietern und lange Zeit hat das auch Sinn gemacht. Aber mit den "falschen Weichenstellungen in der Wohnungspolitik der vergangenen 30 Jahre" und dem Vorsorgeproblem, das Deutschland als alternde Gesellschaft habe, fände Utta Seidenspinner es schlau, wenn wir uns zu einem Volk von Eigentümern entwickeln würden. Aber auch Wohneigentum ist schwer zu finden.

Utta Seidenspinner

"Man merkt, dass irgendwas faul ist, wenn sich plötzlich ganz normale Leute keine Wohnung mehr leisten können und einfach null Einfamilienhäuser mehr auf dem Markt zu haben sind", meint Utta Seidenspinner. Stattdessen stehen Häuser in München fast das ganze Jahr leer, weil sie nur einmal im Jahr von ihren Eigentümern aus Russland, Saudi-Arabien oder China genutzt werden, um eine Shoppingtour in München zu machen. Immobilien sind eine Art eigener Kapitalmarkt für die Superreichen geworden, die versuchen ihr Geld in Deutschland unterzubringen. Oft bezahlen sie mehr als ein Objekt tatsächlich wert ist.

Daher fordert Utta Seidenspinner, dass der Staat es Privatpersonen einfacher machen sollte, Wohneigentum zu erwerben: Die Kaufnebenkosten senken und dafür sorgen, dass nicht nur Investoren ihre Finanzierungskosten absetzen dürfen, sondern auch Privatleute, die für sich selbst kaufen. Denn obwohl es Kredite billig gibt – über einen langen Zeitraum sind das dann doch erhebliche Kosten.

Literaturtipp:
Utta Seidenspinner: "Wohnwahnsinn. Warum Mieten immer teurer und Eigentum unbezahlbar wird“, Berlin Verlag, 204 Seiten, 18 Euro.

Redaktion: Regina Tanne

Der "Wohnwahnsinn" in Deutschland - Utta Seidenspinner

WDR 5 Neugier genügt - Redezeit | 23.10.2018 | 21:22 Min.

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