Über Schweigen reden – Theodor Itten

An einer Wand hängt ein Schild, das die untere Hälfte eines Gesichts zeigt; ein Zeigfinger liegt auf den Lippen.

Über Schweigen reden – Theodor Itten

Ob als Gelübde, als Verweigerung oder als Geheimnis, Schweigen ist eine zentrale Dimension des alltäglichen Lebens. Der Schweizer Therapeut Theodor Itten hat sich mit unterschiedlichen Aspekten kommunikativer Stille auseinandergesetzt.

Wir schweigen – aus Höflichkeit oder Angst, aus Rücksicht oder Verzweiflung, als Strategie oder unter Zwang. Schweigen kann die Kunst aufmerksamen Zuhörens sein, eine Form von Diplomatie, aber gleichermaßen auch Strafe oder Bestrafung. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs breitete sich in vielen Familien eine Mauer des Schweigens aus. Opfer wie Täter wollten verdrängen, was geschehen war.

Portät von Theodor Itten

Theodor Itten, Psychotherapeut

Solches Totschweigen, sagt der Therapeut Theodor Itten, macht Vergangenheit nicht ungeschehen, vielmehr verhindert es nur einen notwendigen Heilungsprozess, gesellschaftlich wie privat. Ebenso problematisch kann das aggressive Schweigen zwischen zwei Menschen sein, die einander nahestehen und durch Nichtkommunikation den anderen strafen wollen.

Im Schweigen als spirituellem Angebot in vielen Religionen zeigt sich dagegen die heilsame Seite des Stillwerdens. Solche Schweigeangebote stehen hoch im Kurs. Allerdings, sagt Theodor Itten, muss man Stille auch aushalten können. In einer immer lauteren, geschwätzigen Welt geht die Stille verloren, und es bedarf der Einübung, um die Kraft der Ruhe – neu – zu entdecken.

Redaktion: Jessica Eisermann

Über Schweigen reden - Theodor Itten

WDR 5 Neugier genügt - Redezeit 11.03.2019 24:07 Min. WDR 5

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