Ex-KGB-Spion zu Skripal: "Keiner weiß wirklich, was da passiert ist"

Jack Barsky - Der falsche Amerikaner

Ex-KGB-Spion zu Skripal: "Keiner weiß wirklich, was da passiert ist"

Eine Lebensgeschichte wie aus einem Spionageroman: Jack Barsky wurde 1949 als Albrecht Dittrich in der DDR geboren und in den 70er Jahren als KGB-Spion in die USA eingeschleust. Heute ist er ein überzeugter Amerikaner. Mit ihm haben wir über seine Lebensgeschichte gesprochen - und über den aktuellen Fall des ehemaligen KGB-Agenten Sergej Skripal, der in Großbritannien vergiftet wurde. Die giftige Substanz soll in Russland entwickelt worden sein.

"Zuerst denkt man natürlich, ja, das weiß ich schon, was da passiert ist", kommentiert Barsky den Giftanschlag auf Sergej Skripal in der WDR 5 Redezeit. Dann habe er aber noch einmal nachgedacht. Die Spionagewelt sei "eine Mischung von Wahrheiten und Lügen", erläutert er. "Und keiner weiß wirklich, was da passiert ist." Manchmal komme die Wahrheit auch nicht heraus - oder erst nach sehr langer Zeit. "Meine Meinung würde nur dazu beitragen, noch mehr Unsinn zu verbreiten", so Barsky.

"Die haben Leute im Ausland umgebracht"

Ein Spion, der aus der Kälte kam - Jack Barsky

WDR 5 Neugier genügt - Redezeit | 14.03.2018 | 30:58 Min.

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Zunächst habe er sich aber schon daran erinnert, was der KGB in der Vergangenheit getan habe: "Die haben Leute im Ausland umgebracht." Dabei habe es sich meist um Überläufer gehandelt. Eine Zeit lang habe er sich selbst davor gefürchtet. Er sei allerdings kein Überläufer gewesen: "Ich habe gekündigt. Der Unterschied ist ein bisschen subtil."

Das Nervengift Nowitschok, mit der der Ex-Spion Sergej Skripal und seine Tochter vergiftet wurden, kenne er nicht, sagt Barsky. Mit solchen Sachen habe er nichts zu tun gehabt.

Doppelleben mit zwei Familien

Barsky selbst habe als KGB-Agent fast nie direkte Aufgaben gehabt - und auch kein Waffentraining, erzählt er: "Meine einzige Waffe, die ich mitgenommen habe, war mein Gehirn." Sein Auftrag sei gewesen, Menschen kennenzulernen, Interessante Menschen. Menschen, die Geheimnisse haben und die Einfluss hatten. Als Spion führte er ein komplettes Doppel-Leben – inklusive zweier Familien. "Wenn man mich fragt, was mir leid tut: Das tut mir leid, was ich da verpatzt habe", sagt er im WDR 5 Gespräch rückblickend darüber. Heute sei er furchtbar glücklich darüber, noch einmal die Möglichkeit zu haben, seinen alten Freunden in Deutschland und auch der Familie erklären zu können, was passiert sei, als er weg gewesen sei.

Stand: 14.03.2018, 13:09