Kinderlosigkeit im Mittelalter – Regina Toepfer

Porträtfoto von Regina Toepfer in schwarz-weiß

Kinderlosigkeit im Mittelalter – Regina Toepfer

Im Mittelalter waren doppelt so viele Paare kinderlos wie heute. Und scheinbar moderne Themen wie Samenspende, Adoption oder bereute Mutterschaft gab es damals auch schon. Wie die Reformation dann das Bild der Familie veränderte, erforscht Literaturwissenschaftlerin Regina Toepfer.

"Kinderlosigkeit ist kein biologisches Schicksal, sondern ganz wesentlich sozial und kulturell geprägt", weiß die Mediävistin Regina Toepfer. Den Druck von außen, von der Umwelt, gebe es in erster Linie auf die Frau, wenn ein Paar kinderlos bleibt.

Denn heute noch wirken biblische Erzählungen vom Geburtswunder nach, wie bei den Erzeltern Abraham und Sarah oder dem weihnachtlichen Jesuskind in der Krippe. Während im Mittelalter geduldiges, frommes Warten auf ein Kind der Legende nach belohnt wurde, wird heute ungewollte Kinderlosigkeit nicht religiös, sondern durch die Reproduktionstechnologie bestimmt.

Die Philologin und Mittelalter-Germanistin der Universität Würzburg, Regina Toepfer, erforscht, dass es scheinbar moderne Themen wie Samenspende, Adoption oder bereute Mutterschaft heutzutage und im Mittelalter gab – und stellt fest: Erst im Zuge der Reformation wurde Liebesglück mit Familienglück gleichgesetzt. In der Folge wurden Elternschaft, Kinderwunsch und Kinderlosigkeit zum Reizthema.

Buch-Tipp: Regina Toepfer (2020). Kinderlosigkeit im Mittelalter. Ersehnte, verweigerte und bereute Elternschaft im Mittelalter. J.B. Metzler/Springer Verlag Berlin. Preis: 29,99 Euro.

Redaktion: Chris Hulin / Lioba Werrelmann

Kinderlosigkeit im Mittelalter – Regina Toepfer

WDR 5 Neugier genügt - Redezeit 27.12.2021 23:01 Min. Verfügbar bis 27.12.2022 WDR 5


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