Der Geheimcode der Landstreicher - Martin Puchner

Zwei nackte Füße

Der Geheimcode der Landstreicher - Martin Puchner

Sie lebten auf der Straße, baten in fremden Häusern um Nahrung und Unterschlupf. Die Landstreicher früherer Jahrhunderte haben sich eine eigene Sprache geschaffen: Rotwelsch. Was sie auszeichnet, erzählt der Harvard-Professor Martin Puchner.

Porträtbild Martin Puchner

Martin Puchner, geboren in Erlangen, forscht heute in Harvard.

Rotwelsch vereint jiddische, hebräische und deutsche Worte, die abgewandelt wurden, damit niemand außer den Eingeweihten sie versteht. Es war eine Art Geheimsprache, die aus der Not entstand. Die einstigen Landstreicher kamen aus unterschiedlichen Regionen, hatten nichts miteinander zu tun. Nur ihre Lebensweise verband sie. Um zu überleben, waren sie auf Informationen anderer Vagabunden angewiesen.

Sie hinterließen zum Beispiel an einer Hauswand ein Zeichen, das mitteilte: hier gibt es Essen gegen Arbeit. Wenn sie miteinander sprachen, nutzten sie das Rotwelsch. So waren sie sicher vor Polizisten, denn die verstanden die geheimen Worte nicht. Schnell galt das Rotwelsch als Gaunersprache, da das fahrende Volk häufig gegen Recht verstieß. Heute ist das Rotwelsch nahezu ausgestorben.

Martin Puchner ist seit seiner Kindheit von der Geheimsprache der früheren Landstreicher fasziniert. Als Literaturwissenschaftler in Harvard erforscht er jetzt das Rotwelsch und hat entdeckt, dass auch seine fränkische Familie mit der "Sprache der Vagabunden" verbunden ist.

Buchtipp:

Martin Puchner (2021): Die Sprache der Vagabunden, Siedler Verlag München, ISBN: 978-3827501493, gebundene Ausgabe 24 Euro.

Redaktion: Beate Wolff

Der Geheimcode der Landstreicher - Martin Puchner

WDR 5 Neugier genügt - Redezeit 26.10.2021 22:47 Min. Verfügbar bis 26.10.2022 WDR 5


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