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Seelische Grundlagen von Männergewalt

Klaus Theweleit, Schriftsteller

Seelische Grundlagen von Männergewalt

Klaus Theweleit gilt als einer der wichtigsten Männerforscher unserer Zeit. Sein Werk "Männerphantasien", 1977 erschienen, liefert erstaunlich aktuelle Erklärungsmuster für rechte und frauenverachtende Männergewalt.

Da breitet US-Präsident Trump in der Öffentlichkeit seine frauenverachtenden Fantasien aus ("Greif ihnen zwischen die Beine und dann kannst du alles machen") und der AfD-Politiker Björn Höcke proklamiert: "Nur wenn wir mannhaft werden, werden wir wehrhaft“. Der rechtsradikale Attentäter von Halle, Stephan Balliet, dokumentierte live seine Tat mit dem frauenverachtenden Lied zu einer rechtsradikalen Amokfahrt 2018 in Toronto.

Klaus Theweleit erkennt darin einen Männertypus, den er bereits 1977/1978 in seinem dickbändigen Werk "Männerphantasien" kennenlernte. Mit dem Werk hatte er den Nationalsozialismus besser verstehen wollen. "Der Kern des sogenannten Faschistischen ist Angst vor Körperauflösung", ist eine Grunderkenntnis von Theweleit. Im Mittelpunkt stecke die Angst der Männer vor dem Weichen, Zärtlichen, Liebevollen, das offenbar die Frau verkörpere. "Der Typus, den ich beschreibe, erträgt alle Verhältnisse um ihn herum nur, wenn sie hierarchisch angeordnet sind. Darin gehören Frauen notwendig 'nach unten'; zumindest weiter nach unten, als er selbst sich einordnet", so Theweleit.

In der Redezeit spricht Klaus Theweleit darüber, was die "Männerphantasien" mit seinem eigenen Leben zu tun hatten und wie er Gewaltphänomene von Männern heute analysiert – auch mit Blick auf gewaltförmige Demonstrationen gegen gesundheitspolitische Auflagen zur Eindämmung der Corona-Pandemie. 

Redaktion: Heiko Hillebrand

Seelische Grundlagen von Männergewalt - Klaus Theweleit

WDR 5 Neugier genügt - Redezeit 27.04.2020 24:39 Min. Verfügbar bis 27.04.2021 WDR 5

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