Kevin Kühnert: "Ich bin auch ein zweifelnder Mensch"

Kevin Kühnert sitzt auf einem roten Würfel mit der Aufschrift "SPD"

Kevin Kühnert: "Ich bin auch ein zweifelnder Mensch"

Kevin Kühnert gilt als großes politisches Talent und als der Hoffnungsträger für die schwächelnde SPD. Warum er nicht für den Parteivorsitz kandidiert und was ihn neben der Politik antreibt, erzählt er in der WDR 5 Redezeit.

Trotz seines jungen Alters ist Kevin Kühnert (Jahrgang 1989) bereits Vollblut-Politiker. Der Juso-Chef ist in den obersten Machtzirkeln der Politik angelangt. Nach dem Abgang von Andrea Nahles als Parteivorsitzende riefen viele nach dem Hoffnungsträger Kevin Kühnert – aber er will nicht. "Es hätte politisch ganz viel dafür gesprochen zu kandidieren", erzählt er in der WDR 5 Redezeit. Es sei letztendlich eine ganz persönliche Entscheidung gewesen: "Ich bin durchaus auch ein zweifelnder Mensch und habe kein Selbstbewusstsein von hier bis zum Mond." Seine Kräfte und Möglichkeiten könne er realistisch einschätzen.

Kevin Kühnert: "Ich bin auch ein zweifelnder Mensch"

WDR 5 Neugier genügt - Redezeit 05.09.2019 28:19 Min. Verfügbar bis 04.09.2020 WDR 5

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"Zeit des breitbeinigen Führungsstils ist vorbei"

Vor der Abstimmung im Oktober touren die Kandidierenden um den SPD-Parteivorsitz in 23 Regionalkonferenzen durch das Land und stellen sich den Mitgliedern vor. Der Auftakt fand am Mittwoch (04.09.2019) statt. Kevin Kühnert hat bereits seine Sympathie für das Duo Norbert Walter-Borjans und Saskia Esken geäußert. Der ehemalige NRW-Finanzminister und die Digitalpolitikerin seien, so Kühnert, "mit großer Glaubwürdigkeit für ihre Themenfelder eingetreten". Für Kühnert ist die Zeit eines breitbeinigen Führungsstils vorbei. Eine Doppelspitze findet er nur zeitgemäß. Von einer zukünftigen Parteiführung erwartet er Kooperation, Dialog, Zuhören – und mitunter auch Humor und Gelassenheit.

Raus aus der Großen Koalition – dafür steht Kevin Kühnert. Das sei für ihn aktuell aber nicht das bestimmende Thema. "Ich möchte, dass die SPD sich als eine Gemeinwohlpartei positioniert, das ist wirklich ihr Alleinstellungsmerkmal in der politischen Landschaft." In der Redezeit kritisiert er eine "Verbetriebswirtschaftlichung unseres Zusammenlebens". Die Botschaft: "Wenn jeder an sich selber denkt, ist an alle gedacht." Diese Ideologie trage sich heute bis in die Klimadebatte hinein: "Manche glauben, wenn jeder zu Hause ein bisschen aufs Klima achtet und den Müll ordentlich trennt, dann sei schon genügend gemacht."  

Große Leidenschaft für Sportveranstaltungen

Bei den Landtagswahlen in Sachsen und Brandenburg haben die Unter-30-Jährigen überwiegend die AfD oder Grünen gewählt. Haben die Jusos versagt? "Allein sicher nicht", entgegnet Kühnert und versucht zu erklären: "Das bloße Wiederholen, dass es innerhalb der AfD auch richtige Neonazis gibt, macht den Alltag der Menschen nicht besser."

Kevin Kühnert war in seiner Jugend Schülervertreter und ist so politisiert worden. Sein Bauchgefühl habe ihm gezeigt, wo er politisch hingehört. "Zu einem CDU-Ortsverein hätte es mich wohl nicht getragen." Neben der Politik gilt seine große Leidenschaft dem Sport – weniger aktiv als passiv. Fast in jeder freien Minute sucht er Turnhallen, Eishockey-Stadien oder Fußballarenen auf: "Weil dort ein Querschnitt der Gesellschaft zusammenkommt. Unterschiedliche Menschen mit unterschiedlichen Biografien und wirtschaftlichen Möglichkeiten, die einen Konsens haben – ihren Verein zu unterstützen." Es brauche mehr solche Orte in der Gesellschaft, findet der Juso-Chef.

Redaktion: Valentina Dobrosavljevic