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"Arisierung" eines Kochbuchs - Karina Urbach

Porträt Karina Urbach

"Arisierung" eines Kochbuchs - Karina Urbach

Die Historikerin Karina Urbach hat über ihre jüdische Großmutter geforscht, die im Wien der Zwanzigerjahre eine Spitzenköchin war. Urbach erzählt, wie die Nazis das Kochbuch ihrer Großmutter "arisierten".

In den 1930er Jahren brachte die jüdische Köchin Alice Urbach mit "So kocht man in Wien!" einen Bestseller auf den Markt. Unter den Nationalsozialisten verlor die einst erfolgreiche Kochbuch-Autorin Heimat, Familie und Karriere. Sie floh zunächst nach England, wo sie sich als Dienstbotin durchschlug. Nach dem Krieg ging Alice nach New York, gab Kochkurse in San Francisco und stellte mit 70 Jahren im US-Fernsehen ihre besten Rezepte für Mehlspeisen und Tafelspitz vor.

In einer Wiener Buchhandlung fand Alice Urbach sogar ihr Buch wieder. Ab Herbst 1938 hieß der Autor des nahezu identischen Buchs Küchenmeister Rudolf Rösch. Der existiert überhaupt nicht, fand ihre Enkelin Karina Urbach heraus, die in Cambridge forscht. Recherchen führen die Historikerin in Wiener, Londoner und Washingtoner Archive, in denen sie längst verloren geglaubte Briefe, Tonband- und Filmdokumente findet – und so ein bislang unbekanntes Kapitel in der Geschichte deutscher NS-Verbrechen eröffnet.

Redaktion: Gundi Große

Buchtipp:
Karina Urbach: Das Buch Alice. Wie die Nazis das Kochbuch meiner Großmutter raubten. Propyläen Verlag München. Oktober 2020. 432 Seiten. 25 Euro.

"Arisierung" eines Kochbuchs - Karina Urbach

WDR 5 Neugier genügt - Redezeit 30.10.2020 22:31 Min. Verfügbar bis 30.10.2021 WDR 5


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