Joachim Stamp über Gerechtigkeit in der Familie

Integrationsminister Joachim Stamp

Joachim Stamp über Gerechtigkeit in der Familie

Geht es in Familien gerecht zu? Was kann Politik tun? NRW-Familienminister Joachim Stamp über seine eigene Elternzeit-Erfahrung, die Bedeutung frühkindlicher Förderung und warum er nicht am Ehegattensplitting festhält.

Frauen leisten in der Regel den Großteil der unbezahlten Familienarbeit: Kinderbetreuung, Haushalt und Pflege von Angehörigen – auch wenn sie berufstätig sind. NRW-Familienminister Joachim Stamp (FDP) sieht immerhin einen gesellschaftlichen Trend in die richtige Richtung. Elternzeit und Elterngeld hätten dazu geführt, dass Männer sich stärker zu Hause einbringen. "Auch wenn das noch nicht in dem Maße ist, wie sich das Frauen völlig zu Recht wünschen", räumt er in der WDR 5 Redezeit ein.

Gerechtigkeit in der Familie - Joachim Stamp

WDR 5 Neugier genügt - Redezeit 13.11.2018 28:31 Min. Verfügbar bis 12.11.2019 WDR 5

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Selbst zwei Jahre Elternzeit genommen

Ein Mann hält ein Baby auf dem Arm.

Väter in Elternzeit - "der Trend geht in die richtige Richtung"

Joachim Stamp, 1970 geboren, ist Vater von zwei Töchtern, acht und elf Jahre alt. Nach der Geburt seiner ersten Tochter hat er selbst knapp zwei Jahre Elternzeit genommen und seine Promotion fertiggestellt. Seine Frau hatte eine Beförderung erhalten und wollte schnell in den Beruf zurück. Stamp hat als Minister im Schnitt eine 80-Stunden-Woche, seine Frau arbeitet 30 Stunden. "Ich kann Ihnen ganz offen sagen, dass das für die Lebensqualität nicht immer ganz einfach ist, wenn beide voll berufstätig sind."

Schock über "unterfinanziertes Kita-System"

[ARCHIV] Spielzeug liegt am 18.04.2016 in einer Kindertagesstätte in Düsseldorf (Nordrhein-Westfalen) auf dem Boden.

Stamp will mehr Qualität für Kitas

Beide Töchter hatten früh einen Betreuungsplatz, den viele Eltern händeringend suchen, obwohl es seit 2013 einen Rechtsanspruch für Unter-Dreijährige gibt. In NRW ist die Lücke zwischen Angebot und Bedarf besonders groß. "Ich war bei meiner Amtsübernahme geschockt, wie unterfinanziert das System ist." Über ein Rettungsprogramm sollen Kitas erhalten und ausgebaut werden. Wichtig sind Stamp eine flexiblere Betreuung in den Randzeiten und die Verbesserung der Sprachförderung. "Wir müssen gerade im frühkindlichen Bereich ansetzen und so viele Chancen wie möglich unabhängig von der Herkunft schaffen."

"Bin für Familienrealsplitting"

Ungerecht bleibt die Höhe der Kita-Gebühren. Je nach Wohnlage zahlen Eltern manchmal nichts, manchmal mehrere hundert Euro im Monat. "Sie bohren bei mir in einer Wunde, aber ich kann nicht versprechen, diese Ungerechtigkeit im ersten Schritt zu beheben."

Zum umstrittenen Ehegattensplitting, das kinderlose verheiratete Paare steuerlich bevorteilt und Alleinerziehende benachteiligt, sagt der Minister: "Ich bin Anhänger eines Familienrealsplittings, bei dem die Kinder stärker berücksichtigt werden. Warten wir mal ab, wie sich hier die Debatten entwickeln."

Stand: 08.11.2018, 15:12