Altersarmut – Irene Götz

Frauen werden im Alter eher arm als Männer. Mehr Frauen arbeiten in Teilzeit und verdienen insgesamt auch durchschnittlich weniger als Männer. Die Professorin für Ethnologie und Kulturwissenschaft Irene Götz untersucht, wie arme Menschen leben.

Durchschnittlich beträgt die Rente von Frauen nur etwa 60 Prozent der Rente von Männern. Fast zwei Drittel der Rentnerinnen, die ausschließlich von ihrer eigenen gesetzlichen Rente leben müssen, gelten als armutsgefährdet. Die Professorin für Empirische Kulturwissenschaft Irene Götz hat über Jahre hinweg 50 Frauen zwischen 65 und 80 Jahren gemeinsam mit ihrem Team getroffen und interviewt. Die Frauen in der Studie stammen aus allen Milieus. Unter ihnen ist eine ehemalige Kosmetikerin ebenso wie eine Beamtin, Altenpflegerinnen und Büroangestellte.

Selbst eine kleine Eigentumswohnung schützt nicht vor Altersarmut, wenn die Nebenkosten dafür nicht mehr aufgebracht werden können. Die Gründe für die im Alter häufig prekäre Situation der Frauen sind vielschichtig: Scheidung, Leben als Alleinerziehende, Gewalt- und Suchterfahrung. Weitere Faktoren, die zu Armut im Alter führen, sind aber auch Bildungsferne, gering qualifizierte Teilzeitjobs oder Gesundheitsprobleme.

Menschen, die heute arm sind, entstammen der Nachkriegs- und Adenauer-Generation. Sie haben gelernt, Taktiken zu entwickeln, um sich selbst zu helfen. Die folgende Generation der Rentner:innen wird die der Babyboomer sein. Irene Götz sagt, es sei zu erwarten, dass diese Generation sich wehren wird gegen leere Rentenkassen und ein System, das so viele altersarme Menschen in Not bringt.

Redaktion: Jessica Eisermann

Buchtipp
Irene Götz (2019): Kein Ruhestand: Wie Frauen mit Altersarmut umgehen. Unter Mitarbeit von Esther Gajek, Alex Rau, Marcia von Rebay, Petra Schweiger und Noémi Sebök-Polyfka. München: Verlag Antje Kunstmann. 317 Seiten. ISBN 978-3-95614-292-5

Altersarmut – Irene Götz WDR 5 Neugier genügt - Redezeit 11.02.2022 24:06 Min. Verfügbar bis 11.02.2023 WDR 5

Download