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Heinrich Breloers Brecht

Regisseur Heinrich Breloer steht bei einem Fototermin zu dem Doku-Drama Brecht vor einer Fotowand

Heinrich Breloers Brecht

Ein zweiteiliges Dokudrama, eine Dokumentation und ein Roman: Heinrich Breloer spricht in der Redezeit über sein facettenreiches Porträt eines Dichters und Theaterrevolutionärs – der von sich selbst in jungen Jahren sagte, er sei "der letzte Dichter der deutschen Sprache, das letzte deutsche Genie".

Heinrich Breloer hat mit seinen Dokudramen Fernsehgeschichte geschrieben. Er gilt sogar als der Erfinder dieses Genres, das Interviews, dokumentarisches und historisches Filmmaterial und mit Darstellern nachinszenierte Szenen miteinander verknüpft, um so eine Geschichte mehrdimensional nacherzählen zu können. Das erste Mal hat er diese Methode 1981 in seinem Film "Das Beil von Wandsbek" angewandt. Seitdem hat er sie immer weiter verfeinert und uns auf diese Weise wichtige Ereignisse der neueren deutschen Geschichte und deren Protagonisten nahegebracht. Dazu gehören unter anderem Filme wie "Die Staatskanzlei" (über die Affäre Barschel, 1989), "Wehner – Die unerzählte Geschichte" (1993), "Das Todesspiel" (Schleyer-Entführung, 1996/97), "Speer und Er" (Albert Speers Lebensweg, 2004/2005). Herausragend sind auch seine Filme über deutsche Schriftsteller, darunter vor allem sein dreiteiliger Thomas-Mann-Film von 2001: "Die Manns – Ein Jahrhundert- Roman". Heinrich Breloer hat für seine Filme mehrfach einen Grimme-Preis erhalten sowie den Emmy und unzählige weitere Auszeichnungen.

Nun hat sich Heinrich Breloer nach Thomas Mann mit der Persönlichkeit und der Biografie einer zweiten "Ikone" der modernen deutschen Literatur und des Theaters auseinandergesetzt: Bertolt Brecht (1898 – 1956). In einem zweiteiligen Dokudrama von insgesamt drei Stunden ("Brecht"), einer 45-minütigen Dokumentation ("Brecht und das Berliner Ensemble") sowie einem 500-seitigen Roman ("Brecht – Roman seines Lebens") beleuchtet er intensiv das Leben dieses Dichters, Dramatikers und revolutionären Theaterpraktikers.

Szene aus dem Film "Brecht"

Szene aus dem Dokudrama "Brecht"

Die Filme feierten Anfang März auf der Berlinale ihre Premiere und werden nun am 22.03. auf Arte und am 27.03 im Ersten ausgestrahlt. Es laufen jeweils beide Teile hintereinander, am Anschluss folgt dann die Dokumentation. In den Filmen spielt Tom Schilling die Rolle des jungen Brecht, Burghart Klaußner den Brecht der Nachkriegsjahre. Helene Weigel wird von Adele Neuhauser und Lou Strenger (in ihren jungen Jahren) dargestellt. Auch alle anderen Rollen sind prominent besetzt.

Wie weit kann man einen außergewöhnlichen Menschen und sein Werk begreifen, der von sich selbst bereits in jungen Jahren behauptete, er sei "der letzte Dichter der deutschen Sprache, das letzte deutsche Genie“, der die Welt so zeigen wollte, "wie sie wirklich ist" und von dem eine seiner Lieblingsschauspielerinnen, Regine Lutz, sagte, dass man ihn nicht kennen konnte? Wie schafft man sich ein Bild von ihm, was für ein Mensch war er, wie nahe konnte er ihm kommen in all den Filmen, Dokumenten und Berichten der Zeitzeugen, die es von und über Brecht gibt? Und warum Brecht? Heinrich Breloer, der sich schon Ende der 1970er-Jahre für eine Fernsehdokumentation mit Brecht beschäftigt hatte:

Heinrich Breloer - Porträt

Heinrich Breloer hat ein facettenreiches Porträt Bertolt Brechts geschaffen

"Wie kann ich biografisches Material lebendig werden lassen, damit ich eine Vorstellung davon gewinne, Szenen finde und erfinde, in denen er zu sprechen beginnt? Ich muss am Ende meine Vorstellung von Brecht gestalten, seine hat er ja nicht veröffentlicht. Das war die Entscheidung, mit der ich von dem festen Grund all dieser Materialien abgesprungen bin, in das andere, fremde Leben hinein."

Darüber und über seine Erfahrungen mit diesem anderen fremden Leben, mit dem genialen Menschen Brecht, erzählt Heinrich Breloer in der Redezeit.

Hinweise:

Der Film "Brecht" (das Dokudrama) besteht aus zwei je 90-minütigen Teilen:

  • Teil 1: Die Liebe dauert oder dauert nicht (beschreibt die Zeit bis 1933, als Brecht ins Exil gehen musste)
  • Teil 2: Das Einfache, das schwer zu machen ist (umfasst die Zeit nach dem Exil)

Dokumentation:
"Brecht und das Berliner Ensemble – Erinnerung an einen Traum" (etwa 45 Minuten)

Buch:
Heinrich Breloer: Brecht. Roman seines Lebens
Kiepenheuer & Witsch, 2019, 528 Seiten, 22,99 Euro

Ausstrahlungs- und Vorführtermine:
Sowohl der Brecht-Film als auch die Dokumentation laufen auf Arte und ARD jeweils hintereinander an einem einzigen Abend und zwar:

  • auf ARTE am 22.03. ab 20:15 (Dokumentation: 23:20)
  • im ERSTEN am 27.03. ab 20:15 (Dokumentation: 23:45)

Redaktion: Regina Tanne

Heinrich Breloers Brecht

WDR 5 Neugier genügt - Redezeit 21.03.2019 25:09 Min. WDR 5

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