Ethnologin in Afrika – Heike Behrend

ine Frau im Dorf Maya auf der Insel Anjouan der Inselgruppe der Komoren im Indischen Ozean

Ethnologin in Afrika – Heike Behrend

Heike Behrend ist in ihren Feldstudien tief in die Lebenswelt afrikanischer Kulturen eingetaucht. Die Ethnologin blickt zurück auf ihre ersten Reisen Ende der 70er Jahre und den Herausforderungen, in einen Dialog mit den Einheimischen zu treten.

Porträt Heike Behrend

"Menschwerdung eines Affen" hat Heike Behrend ihre Autobiografie genannt

"Affe" – so lautete die Bezeichnung der Tugen in Kenia für die Berliner Ethnologin, als diese erstmals bei ihnen auftauchte. Für die Afrikaner war Heike Behrend eine Frau mit wilder Mähne, die ihre Sprache nicht sprach, die ihre Tischsitten nicht beherrschte und gegen die Regeln guten Benehmens verstieß. Unter diesen Bedingungen gestaltete sich die Annäherung zwischen den Einheimischen und der europäischen Besucherin mühsam. Auch für Heike Behrend waren die monatelangen Aufenthalte eine Herausforderung. Denn anders als Generationen von Ethnologen vor ihr lehnte sie es ab, die Einheimischen als Forschungs-"Objekte" zu betrachten und selbst die Rolle der überlegenen "Beobachterin" zu übernehmen.

Vielmehr wollte sie "auf Augenhöhe" in einen Dialog mit den Afrikanern treten, in die Rolle der "Schülerin" schlüpfen, die lernt und sich belehren lässt. In diesem gewandelten Selbstverständnis artikuliert sich für die Professorin die radikale Abkehr von jener ursprünglichen "Völkerkunde", deren koloniale Verstrickung bis in die Gegenwart Spuren hinterlassen hat – wie die Diskussion um Raubkunst und koloniales Erbe in europäischen Museen nachdrücklich beweist.

Redaktion: Gundi Große

Buchtipp:

Heike Behrend: Menschwerdung eines Affen: Eine Autobiografie der ethnografischen Forschung. Matthes & Seitz Berlin. 1. Oktober 2020. 278 Seiten. 25 Euro.

Ethnologin in Afrika – Heike Behrend

WDR 5 Neugier genügt - Redezeit 23.11.2020 24:02 Min. Verfügbar bis 23.11.2021 WDR 5


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