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Der "Tempeldoktor" - Retter in letzter Not

Das German Apsara Conservation Project

Der "Tempeldoktor" - Retter in letzter Not

Seit über 20 Jahren kämpft Hans Leisen, Geologe an der TH Köln, um den Erhalt antiker Tempelanlagen in Asien – zum Beispiel am kambodschanischen Angkor Wat: "Ich bin eine Art Tempeldoktor geworden", erzählt er in der Redezeit.

Die Tempelstadt Angkor war vom 9. bis zum 14. Jahrhundert Zentrum einer Hochkultur der Khmer; seit 1992 gehört die riesige Anlage zum Weltkulturerbe. Der Angkor Wat ist der größte der Tempel des auch bei Touristen zunehmend beliebten Areals, auf seiner Oberfläche finden sich bis zu 100 Meter lange hoch filigrane Steinbildhauerarbeiten, die so genannten "Apsaras".

Diese steinernen Kunstwerke, die an Holzschnitzarbeiten erinnern, sind vor allem witterungsbedingt teilweise so stark beschädigt, dass ihre Existenz bedroht ist. Seit 1993 arbeiten Spezialisten aus 16 Ländern an der Restauration der Tempelanlage; seit 1997 restauriert ein Team der Technischen Hochschule Köln insbesondere die filigranen Arbeiten.

Hans Leisen

Hans Leisen leitet dieses Team zusammen mit seiner Frau Esther von Plehwe-Leisen. Mit speziellen Methoden und Materialien versuchen die Restauratoren, den Verfall der "Apsaras" zu stoppen und, soweit möglich, die mehr oder minder zerstörten Teile der Reliefs wieder herzustellen. Zentraler Bestandteil ihrer Arbeit ist die Ausbildung – um die Arbeit bewältigen zu können, ist der Einsatz einheimischer RestauratorInnen unverzichtbar. 21 Jahre zwischen Deutschland und Kambodscha, zwischen Vergangenheit und Gegenwart: Ein Gespräch über Dutzende Reisen, Forschungs- sowie Arbeitsaufenhalte – und über die vielen Begegnungen, die sich dabei im Lauf der Zeit ergaben.

Redaktion: Heiko Hillebrand

Der "Tempeldoktor" - Hans Leisen

WDR 5 Neugier genügt - Redezeit | 19.12.2018 | 26:45 Min.

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Retter in letzter Not

Seit über 20 Jahren kämpft Hans Leisen, Geologe an der TH Köln, um den Erhalt antiker Tempelanlagen in Asien – zum Beispiel am kambodschanischen Angkor Wat.

Angkor Wat – die größte Tempelanlage der Welt

Angkor Wat – die größte Tempelanlage der Welt. In der Fläche ist sie in etwa so groß wie die gesamte Innenstadt von Köln. So sieht es aus, wenn Hans Leisen und sein Team von Konservatoren sich einen Teil des gewaltigen Gebäudes vornehmen: Das Gerüst ermöglicht den Zugang zu den Giebelreliefs, die Planen spenden Schatten in der erbarmungslosen Sonne Kambodschas.

Angkor Wat – die größte Tempelanlage der Welt. In der Fläche ist sie in etwa so groß wie die gesamte Innenstadt von Köln. So sieht es aus, wenn Hans Leisen und sein Team von Konservatoren sich einen Teil des gewaltigen Gebäudes vornehmen: Das Gerüst ermöglicht den Zugang zu den Giebelreliefs, die Planen spenden Schatten in der erbarmungslosen Sonne Kambodschas.

Ein alter Mann in seinem Heiligtum.

Dieser Statue hat Hans Leisen den Kopf gerettet. Dazu musste sie zunächst von einer göttlichen Gestalt in ein ganz normales Kunstwerk zurückverwandelt werden.

Wie beim Zahnarzt – eine Plombe und viele Füllungen konservieren das brüchige Gestein.

Hans Leisen hat das German Apsara Conservation Project 1995 erfunden und durchgesetzt. Ziel war und ist die Erhaltung der Reliefs am Angkor Wat Tempel. Finanziert wird die Arbeit vom Auswärtigen Amt, der Technischen Hochschule Köln und privaten Sponsoren.

Manche Gebäude der riesigen Tempellandschaft von Angkor werden von Pflanzen gleichzeitig zerstört und zusammengehalten, so wie hier im Tempel Ta Prohm, rund zwei Kilometer entfernt vom Angkor Wat.

Eine gewaltige Pyramide, auf einem Hügel erbaut, gut 35 Meter hoch und in Terrassen gestaffelt: Borobudur auf Java in Indonesien, der größte buddhi­stische Tempel weltweit. Auch hier haben Hans Leisen und Esther von Plehwe-Leisen als Konservatoren gearbeitet.

Die Wandreliefs am Borobudur säumen die Wände wie umlaufende Bilderga­lerien voller Religionsgeschichte und Legenden. Ganz unten schildern die Szenen das Alltagsleben der Menschen. Je höher die Terrasse, desto stärker entfernen sich die Gestalten und die Begebenheiten von weltlichen Verstrickungen und nähern sich dem Ideal geistiger Vollkommenheit an.

Auf einem mürben Grund aus Tuff, Sand und Erde steht ein Bauwerk, das arbeitet. Die Hitze des Tages dehnt das Material, die Kälte der Nacht lässt es schrumpfen. Tropische Regenfälle waschen es aus. Trockenheit lässt manche Partien spröde werden. Bei Regen saugt sich das Gebirge aus Stein voll wie ein Schwamm. Viel Arbeit für Konservatoren, die wissen, wie man verwittern­de Steine rettet.

Hans Leisen. "Tempeldoktor" aus Leidenschaft.

Forschungskollegin und Ehefrau: Esther von Plehwe-Leisen.