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Verflucht: Die Gotteslästerung ist zurück – Gerd Schwerhoff

Gerd Schwerhoff

Verflucht: Die Gotteslästerung ist zurück – Gerd Schwerhoff

Gotteslästerung schien in Europa kaum noch eine Rolle zu spielen – bis zu den islamistischen Anschlägen von 2001. Dem Historiker Gerd Schwerhoff ist die Renaissance religiöser Empfindlichkeit Anlass für eine umfassende Europäische Geschichte der Blasphemie.

Gerd Schwerhoff ist Professor für Geschichte der Frühen Neuzeit an der Technischen Universität Dresden. Doch haben ihn weniger die Geschichte der Machthaber, der Kriege und der Monarchien interessiert. Der gebürtige Kölner interessiert sich eher für die Randfiguren der frühen Neuzeit: für Diebe, Mörder, Hexen, Ketzer und eben auch Gotteslästerer.

Seit Jahren erforscht Gerd Schwerhoff die Geschichte der Schmähungen und Beleidigungen – angesichts der Beschimpfungsorgien auf sozialen Plattformen ein höchst aktuelles Projekt. Die wichtigsten Opfer von Beschimpfungen waren von jeher Götter und Heilige. Selbst in den Hochzeiten des Christentums, als die Blasphemie mit schweren Strafen belegt war, ließen sich die Bürger nicht davon abhalten, ordentlich auf die christliche Götterschar zu fluchen. Zugleich waren Christen immer schnell dabei, wenn es darum ging, über das Judentum oder den Islam zu lästern. Und das gilt auch umgekehrt. Wie empfindlich Gläubige auf Blasphemie aktuell reagieren, zeigten zuletzt die Proteste nach dem Erscheinen der Mohammed-Karikaturen und die mörderischen Anschläge in Paris auf die Satire-Zeitschrift Charlie Hebdo.

Redaktion: Valentina Dobrosavljević

Buchtipp

Gerd Schwerhoff (2021): Verfluchte Götter. Die Geschichte der Blasphemie. Frankfurt: S. Fischer Verlag. 528 Seiten. 29 Euro. ISBN: 978-3-10-397454-6

Verflucht: Die Gotteslästerung ist zurück – Gerd Schwerhoff

WDR 5 Neugier genügt - Redezeit 17.03.2021 23:22 Min. Verfügbar bis 17.03.2022 WDR 5


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