Hilferufe am Telefon

Eine Hand hebt den Hörer eines weißen Kabeltelefons ab

Hilferufe am Telefon

"Bevor Sie sich umbringen, rufen Sie mich an": Diese Zeitungsanzeige, 1956 veröffentlicht, war der Anfang der Telefonseelsorge in Deutschland. Menschen zurück ins Leben zu holen, sieht Frank Ertel, Leiter der Telefonseelsorge Aachen, auch heute noch als vordringliches Ziel an.

Der evangelische Pfarrer und Sozialpädagoge, der seit mehr als 20 Jahren in der Telefonseelsorge tätig ist, weiß aus eigenem Erleben um den Kreislauf von Vereinsamung, Verbitterung und Sinnverlust. 10.000 Menschen sehen Jahr für Jahr keinen anderen Ausweg, als sich selbst das Leben zu nehmen. Suizide zu verhüten, ist eine der zentralen Aufgaben der Telefonseelsorgerinnen und –Seelsorger. Auch andere Themen, Beziehungsprobleme, Missbrauch, Einsamkeit werden bei den Telefonaten zur Sprache gebracht. Immer sind es Menschen, die niemand anderen in ihrer Nähe haben, um über ihre Probleme zu reden.

Telefonseelsorger Frank Ertel

Frank Ertel hilft seit mehr als 20 Jahren

Im Schutz der Anonymität, die das Telefon bietet – inzwischen auch Mails und Chats – suchen sie Hilfe, einen Menschen, der ihnen mit einem offenen Ohr und vielleicht sogar mit konkretem Rat zur Seite steht. 7.000 Ehrenamtliche leisten bundesweit diese Hilfe, jeden Tag und jede Nacht. Sie können therapeutische Hilfe nicht ersetzen, auch nicht konkrete Beratung. "Unsere Aufgabe ist es vielmehr", sagt Frank Ertel, "das Unaushaltbare mit auszuhalten. Dem Unaussprechlichen zu Worten zu verhelfen." Wenn am Ende eines Gesprächs "ein kleiner Hoffnungspakt" zwischen dem Anrufer und dem Telefonseelsorger geschlossen werde, sei das schon ein großer Schritt zurück ins Leben.

Redaktion: Beate Wolff

Hilferufe am Telefon - Frank Ertel

WDR 5 Neugier genügt - Redezeit 09.09.2019 25:05 Min. Verfügbar bis 08.09.2020 WDR 5

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