Über den Kitzel – Christian Metz

Ein junger Staffordshire Bullterrier liegt auf einem Holzboden und wird am Bauch von einem Menschen gekrault.

Über den Kitzel – Christian Metz

Den Kitzel kennt fast jeder. Bisher war der Reflex eher ein Thema für Verhaltensforscher. Literaturwissenschaftler Christian Metz hat ihm ein Buch gewidmet und spricht in der Redezeit darüber, was die Kultur zum Kitzel sagt.

Der Kitzel gehört evolutionär zu den ältesten basalen Empfindungen des Menschen. Er ist allerdings nicht so eindeutig zu entschlüsseln, wie beispielsweise die Angst. Der Kitzel ist eine gemischte Empfindung, in der sich Lust und Schmerz vermengen. Er basiert auf einer Spielsituation, einem Scheinangriff, auf den wir mit einem Reflex wie Zucken reagieren, das von einem Lachen begleitet wird, weil wir dem Angreifer meist Vertrauen entgegenbringen. Es waren bisher eher Naturwissenschaftler, die sich für den Kitzel interessierten – auch weil er uns mit vielen Tieren verbindet.

Der Literaturwissenschaftler Christian Metz macht sich in seinem Buch "Kitzel. Genealogie einer menschlichen Empfindung" auf die Suche, was der Kitzel in verschiedenen historischen Epochen gesehen wurde. Denn wie wir auf den Kitzel reagieren, hat nicht nur mit Natur zu tun, sondern immer auch mit kultureller Überlieferung. Auch wenn der Kitzel in Philosophie und Kunst meist eher beiläufig behandelt wird, hat er doch vom antiken Philosophen Aristoteles bis zur heutigen Pornoindustrie zahlreiche Spuren hinterlassen. Jede Zeit setzt andere Schwerpunkte, doch er ist nie verschwunden, seine Bedeutung hat sich eher erweitert vom Lachkitzel über den sanften Kitzel, den sexuellen Kitzel, den Folterkitzel bis zum allgegenwärtigen Nervenkitzel.

Redaktion: Jessica Eisermann

Buchtipp:

Christian Metz (2020): Kitzel. Genealogie einer menschlichen Empfindung. Frankfurt a.M.: S. Fischer Verlag. 640 Seiten. ISBN 978-3-10-002450-3

Über den Kitzel – Christian Metz

WDR 5 Neugier genügt - Redezeit 25.06.2020 23:43 Min. Verfügbar bis 25.06.2021 WDR 5

Download