Realitätsverlust der Gesellschaft - Ariadne von Schirach

Porträt Ariadne von Schirach

Realitätsverlust der Gesellschaft - Ariadne von Schirach

Wie erklären sich die Krisenphänomene in der gegenwärtigen Gesellschaft? Die Diagnose der Philosophin Ariadne von Schirach lautet, möglicherweise ein psychotischer Schub. Gerade darin sieht sie aber Grund zur Hoffnung.

Wohin man blickt, scheint die Welt aus den Fugen, sagt Ariadne von Schirach. Immense Herausforderungen wie der Populismus, der Klimawandel und die Migration träfen gleichzeitig auf den Verlust sozialer Verbindlichkeiten und das Auseinanderdriften individueller Lebenswelten.

Zudem erodiere die Gesellschaft durch oberflächliches Marktdenken, verstärkt durch die Auswirkungen von Digitalisierung und Globalisierung. Irgendwann sei uns der Sinn des Zusammenlebens abhanden gekommen. "Die Diagnose eines psychotischen Zustandes erlaubt es, diese auf den ersten Blick so unterschiedlich scheinenden Phänomene in einer zentralen Metapher zu fassen." Im Kern einer Psychose, so die Philosophin, steckt immer ein fundamentaler Realitätsverlust, Stichwort postfaktisches Zeitalter.

Genau darin sieht sie aber auch eine Chance. Eine Psychose sei immer auch ein Übergangszustand, der zu einem tieferen Bewusstsein der Problematik führen könne. Eine Kopfsache, die überdacht und therapiert werden kann. "Heilung ist das Finden eines neuen Sinns durch Integration des Verdrängten. Wir brauchen keine andere Welt, sondern ein anderes Bewusstsein dessen, was ist." argumentiert Ariadne von Schirach.

Redaktion: Jessica Eisermann

Lesetipp:

Ariadne von Schirach (2019): Die psychotische Gesellschaft – Wie wir Angst und Ohnmacht überwinden. Tropen Sachbuch. 260 Seiten. ISBN: 978-3608-502336

Realitätsverlust der Gesellschaft - Ariadne von Schirach

WDR 5 Neugier genügt - Redezeit 26.06.2019 24:24 Min. WDR 5

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