Live hören
Jetzt läuft: Ha Long Bay von Sofiane Pamart

Igel in Not – Anne Berger

Ein zusammengerollter Igel

Igel in Not – Anne Berger

Dr. Anne Berger ist eine der wenigen professionellen Igelforscher*innen in Deutschland. Seit sieben Jahren erforscht sie die Säugetiere in und um Berlin und weiß: sie sind bedroht. Wir müssen sie besser schützen – gerade vor uns selbst.

Anne Berger nachts auf der Straße mit einem gefundenen Igel

Anne Berger mit einem gefundenen Igel

Unbemerkt von der Öffentlichkeit ist der Igel-Bestand in Deutschland stark zurückgegangen. Eine wichtige Rolle spielt dabei der Straßenverkehr. Aber es lauern noch viele andere Gefahren: Mähroboter, die auch nachts herumfahren  zum Beispiel, Gartengeräte wie die Tellersense und der Laubsauger, das Insektensterben, Schottergärten, zugemauerte Gärten und Schneckengift. Und seit die Sommer so trocken sind, findet der Igel nicht mehr genügend Wasser. Die warmen Winter lassen ihn später in den Winterschlaf gehen und früher wieder aufwachen. Manchmal irren die stacheligen Säuger noch im November herum, auf der Suche nach Futter.

In zwei Bundesländern steht der hier heimische Braunbrustigel schon auf der Roten Liste für bedrohte Tierarten.  Andernorts wird die Lage ähnlich sein, vermutet Anne Berger, aber es gebe dort eben noch keine verlässlichen Untersuchungen zur  Größe der Population Bisher schätze man die Anzahl in Deutschland anhand der toten Igel am Straßenrand. Die Biologin vom Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung Berlin ist bei ihrem Igel-Projekt auf die Hilfe der Berliner angewiesen. Die können gefundene oder gesichtete Igel in einem Portal melden. Zusätzlich hat sie ihren Hund zum Spüren von Igeln ausgebildet. Anne Berger sagt, über die Lebensweise von Igeln in freier Natur und in der Stadt ist noch wenig bekannt. Und das ist erstaunlich.

Redaktion: Regina Tanne

Der Igel – Gartentier des Jahres 2020

Der Igel hat gewonnen – zumindest die Online-Wahl der Heinz Sielmann Stiftung zum "Gartentier des Jahres 2020". Offensichtlich hat das sympathische Stachteltier viele Fans unter den Menschen. Trotzdem ist sein Bestand rückläufig. Denn der Mensch ist mittlerweile auch sein größter Feind.

Vier Igel-Babys in einem Körbchen

Wenn sie zur Welt kommen, haben Igel circa 100 Stacheln, die alle noch ganz weich sind und in der Haut eingebettet liegen. Damit die Mutter sich bei der Geburt nicht verletzt. Erst mit der Zeit werden die Stacheln immer härter.  

Wenn sie zur Welt kommen, haben Igel circa 100 Stacheln, die alle noch ganz weich sind und in der Haut eingebettet liegen. Damit die Mutter sich bei der Geburt nicht verletzt. Erst mit der Zeit werden die Stacheln immer härter.  

Verwaiste Igelbabys können mit einer speziellen Milch aufgezogen werden. Sind sie noch sehr jung, brauchen sie alle zwei bis drei Stunden Nahrung. Wenn sie genug wiegen und selbst fressen können, kommen sie mit anderen Igelkindern zusammen.

Erwachsene Igel sind Einzelgänger und dürfen auf keinen Fall Kuhmilch trinken. Sie können die darin enthaltene Lactose nicht verdauen und bekommen Bauchkrämpfe und Durchfall. Am besten stellt man ihnen eine Schale mit Wasser hin. Das brauchen die Igel zur Zeit sehr dringend, denn durch die Hitze gibt es nur noch wenige Wasserstellen.  

Stoßen Igel auf Katzenfutter, verschmähen sie das nicht. Auch Rührei mögen sie. Am liebsten fressen sie alle möglichen Insekten, zum Beispiel Ohrwürmer, Tausendfüßler, Schmetterlinge, Raupen, Ameisen, Wespen, Spinnen und ab und zu auch eine Schnecke. Selten erwischt ein Igel auch mal eine Maus, Frösche oder Vogeleier. Da es immer weniger Insekten gibt, finden die nachtaktiven Igel weniger Nahrung.

Igel können sehr gut riechen und fünfmal besser hören als Menschen. Das Hören reicht weit in den Ultraschallbereich hinein. Außerdem besitzt der Igel noch ein weiteres Sinnesorgan, das Jacobsonsche Organ. Findet er etwas Unbekanntes zu fressen, bekaut er es, bis sein Speichel schäumt. So kann er noch besser riechen.

Das Igelweibchen wirft nach einer Tragezeit von circa 35 Tagen zwischen zwei und sieben Junge. Anfangs sind Augen und Ohren noch geschlossen. Sie öffnen sich erst nach zwei Wochen. In den ersten sechs Wochen werden sie von der Mutter gesäugt und brauchen viel Wärme. Nur etwa jeder vierte Igel überlebt überhaupt das erste Lebensjahr. In freier Wildbahn werden sie selten älter als zwei bis drei Jahre. Theoretisch könnten Igel bis zu sieben Jahre alt werden.

Solche Schilder könnten dem Gartentier des Jahres 2020 gut helfen. Denn der heimische Braunbrustigel steht bereits in zwei Bundesländern auf der Roten Liste für bedrohte Tierarten. Wichtig wäre, dass die Igel ungehindert von einem Garten zum nächsten laufen können.

Igel sind nachtaktive Säugetiere. Sie verschlafen den ganzen Tag und kommen erst heraus, wenn es dämmert. Bei ihrer Nahrungssuche laufen sie große Strecken ab. Das endet sehr oft tödlich, wenn sie eine der vielen Straßen überqueren wollen. Man schätzt, dass eine Million Igel unter die Autoräder kommen und sterben.

Igel, die tagsüber zu sehen sind, haben meistens ein Problem. Wer ihnen helfen möchte, sollte unbedingt Handschuhe anziehen. Denn Igel können ihre Haut wegen der Stacheln nicht gut pflegen und haben oft viele Parasiten wie Flöhe, Milben oder Zecken.

Mähroboter werden zwar immer beliebter. Aber dieses Gartengerät hat scharfe Messer und wird leider zu oft nachts eingesetzt, wenn auch die Igel unterwegs sind. Auch andere Gartengeräte wie die Tellersense fügen den Wildtieren tiefe Schnitte zu oder verletzen sie häufig tödlich.

Ein ausgewachsener Igel hat bis zu 8.000 Stacheln. Innen sind sie hohl, sonst wäre der Stachelpanzer zu schwer. Droht Gefahr, rollt sich der Igel zu einer Kugel zusammen. Und das geht blitzschnell – in weniger als einer Sekunde. In dieser Haltung kann er während des Winterschlafs sogar wochenlang verharren.

Igel in Not – Anne Berger

WDR 5 Neugier genügt - Redezeit 13.08.2020 23:50 Min. Verfügbar bis 13.08.2021 WDR 5


Download