Ein junger Mann mit Aluhut auf dem Kopf und Operationsmaske über den Augen

Beratungsstelle gegen Verschwörungstheorien

Verschwörungsnarrative erleben derzeit einen Boom. Die Beratungsstelle Veritas in Berlin hilft Angehörigen von Menschen, die an Verschwörungserzählungen glauben. Der Leiter Tobias Meilicke berichtet aus der Praxis.

Die Entstehung von Verschwörungstheorien ist nicht neu: Schon immer haben Ängste und gefühlte Bedrohungen Mythen und Sagen hervorgebracht. Ammen- und Schauermärchen sind Vorläufer der heutigen Verschwörungsnarrative, und schon antike Geschichtsschreiber wie Herodot oder Tacitus überlieferten Gerüchte als historische Fakten. Zeitgenössische Verschwörungstheorien rankten sich etwa um den 11. September, die Mondlandung, Kondensstreifen am Horizont oder den vermeintlich wahrhaftigen Elvis Presley.

Doch pandemische Zeiten bringen besonders starke Narrative hervor, viele von uns kommen damit ungewollt in Kontakt. Es spaltet die Familie, den Freundes- oder Bekanntenkreis, die Clique oder das Kollegium, wenn sich gegensätzliche Deutungen wissenschaftlicher Sachverhalte unüberwindbar gegenüberstehen. Hilflosigkeit und Ohnmacht machen sich breit, wenn der langjährige Partner kaum wiederzuerkennen ist, wenn sich seine Sorge und Wut auf "die da oben" Bahn bricht.

Warum entwickeln Menschen diese Theorien? Und wie kann man damit umgehen? Welche Reaktionen sind hilfreich, wenn der Bruder plötzlich Coronaleugner geworden ist oder sich die Ehefrau als Querdenkerin outet? Veritas in Berlin berät seit Februar 2021 Betroffene von Verschwörungserzählungen. Hier spricht man darüber, wann Grenzen gesetzt werden sollten und warum es besser ist, sich nicht um Fakten zu streiten, sondern sich auf die Gefühle, die Ängste des Gegenübers einzulassen.

Autorin: Andi Ueding

Redaktion: Lioba Werrelmann und Chris Hulin

Beratungsstelle gegen Verschwörungstheorien – Tobias Meilicke

WDR 5 Neugier genügt - Redezeit 07.02.2022 22:44 Min. Verfügbar bis 07.02.2023 WDR 5


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