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23.03 - 06.00 Uhr ARD Infonacht
Brennendes Streichholz.

Menschheitsgeschichte ist Feuergeschichte

Seit Beginn der Evolution gibt es einen Pakt zwischen dem Menschen und dem Feuer, sagt der Chemiker und Philosoph Jens Soentgen. Die Welt zu gestalten konnte nur durch die schöpferische Nutzung des Feuers gelingen.

Um rohes Fleisch genießbar zu machen, aus giftigen Pflanzen Medizin, aus Pulver Farben, aus Fetten Seife und aus einem komplexen Gemisch von Mineralien und Gestein feinstes Porzellan entstehen zu lassen, ist Feuer unerlässlich. Sich mit dem Feuer zu verbünden, um die Welt zu verändern, hält Jens Soentgen für eine der größten Menschheitsleistungen und für ein anthropologisches Alleinstellungsmerkmal.

Dabei geht es um die materielle, aber auch um eine mentale Dimension. Nichts, was ist, muss bleiben, was es war: Mit dieser Einsicht konnte Fortschritt die Menschheitsgeschichte "befeuern". Und seitdem "brennen" Menschen und sind "Feuer und Flamme" für Neues und für schöpferische Ideen, spielen gern auch einmal "mit dem Feuer", um ihre Kreativität zu erproben, und freuen sich, wenn der "Funke" der Begeisterung auf andere überspringt. Bis in die Tiefen der Sprache manifestiert sich der uralte menschliche Bund mit dem Feuer.

Jens Soentgen

Wird sich das künftig ändern – in einer Epoche, die so vehement auf erneuerbare Energien setzt? Jens Soentgen hat da Zweifel. Denn Feuer ist heute – mehr als je zuvor – "gezähmt". Aber mehr als je zuvor sind es auch Verbrennungsprozesse, die den Komfort unseres Lebens gewährleisten: "Wir müssten deutlich vernünftiger mit unseren Brennstoffen umgehen und auch mit den Feuern, die wir entfachen", fordert er.

Buchtipp

Jens Soentgen (2021): Pakt mit dem Feuer. Philosophie eines weltverändernden Bundes. Berlin: Matthes & Seitz, 223 Seiten, ISBN 978-3751803403

Redaktion: Beate Wolff

Menschheitsgeschichte ist Feuergeschichte – Jens Soentgen

WDR 5 Neugier genügt - Redezeit 21.01.2022 24:04 Min. Verfügbar bis 21.01.2023 WDR 5


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