Die Angst der Polen vor dem Fremden

Unabhängigkeitstag in Polen

Die Angst der Polen vor dem Fremden

Spruchbänder wie "Weißes Polen – Weißes Europa", "Reines Blut" oder "Holocaust für Muslime": Was am Unabhängigkeitstag am 11. November durch Warschaus Straßen getragen wurde, lässt einen schaudern. Was ist los in Polen?

Es ist noch nicht lange her, da galt unser östlicher Nachbar als ein Vorzeigeland in Europa. Die Wirtschaft boomte, die Arbeitslosigkeit sank, die Demokratie schien gefestigt. Dann kam das Jahr 2015, eine Wahl, ein Regierungswechsel, und nun scheint die Demokratie in Polen im freien Fall. Eine Regierung und eine sie im Parlament mit absoluter Mehrheit stützende PiS-Partei, die den Rechtsstaat demontieren. Eine Gesellschaft, die sich immer weiter von den liberalen, westlichen Werten entfernt, für die viele Polen selbst jahrzehntelang gekämpft haben. Am Unabhängigkeitstag war davon nicht mehr viel zu sehen. Stattdessen ein "Marsch der Unabhängigkeit" von Ultranationalisten, Rechtsradikalen und Neofaschisten. Mindestens 60 000 Menschen - viele von ihnen vermummte junge Männer, aber auch ältere Polen und junge Familien - versammelten sich und zeigten Banner mit Slogans wie "Ein weißes Europa brüderlicher Nationen!", "Kein islamisches, kein laizistisches - nur ein katholisches Polen!" Fremdenfeindliche Übergriffe häufen sich in den letzten zwei Jahren in Polen – etwa zeitgleich mit Beginn der Flüchtlingskrise und dem Regierungswechsel. Untersuchungen des Meinungsforschungsinstitutes CBOS zufolge sind 74 Prozent der Polen gegen die Aufnahme von Flüchtlingen. Woher kommt die Angst vor dem Fremden? Und wie kann eine Islamphobie in einem Land entstehen, wo der Islam so gut wie nicht existent ist?

Autor: Karsten Kaminski

Redaktion: Valentina Dobrosavljevic

Die Angst der Polen vor dem Fremden

WDR 5 Neugier genügt - das Feature | 05.12.2017 | 20:32 Min.

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