Der Pilzpapst im Rothaargebirge

Der Pilzpapst im Rothaargebirge

Der Herbst ist die Zeit der Pilze. Und rund um Bad Laasphe gedeihen sie prächtig. Im örtlichen Pilzmuseum lassen sie sich im Detail bestaunen – und bestimmen: vom Biologen und Pilzexperten Volker Walther.

Mehrere Pfifferlinge liegen in einer geöffneten Hand

In der Vergangenheit galt der September als pilzreichster Monat. Doch durch die große Trockenheit der letzten Jahre hat sich das geändert. Viele Pilze bilden erst viel später im Jahr Fruchtkörper. So wurden diese Exemplare in den letzten Oktobertagen gefunden.

In der Vergangenheit galt der September als pilzreichster Monat. Doch durch die große Trockenheit der letzten Jahre hat sich das geändert. Viele Pilze bilden erst viel später im Jahr Fruchtkörper. So wurden diese Exemplare in den letzten Oktobertagen gefunden.

Der Biologe Volker Walther leitet seit 20 Jahren das Pilzmuseum in Bad Laasphe. Manche bezeichnen ihn aufgrund seines Wissens gerne als "Pilzpapst", was der Experte aber nicht so wirklich gerne hört.

Bad Laasphe gilt als einer der waldreichsten Kreise in Deutschland. Insbesondere schmackhafte Speisepilze wie Pfifferling und Steinpilz gediehen prächtig in der Region. Doch seit drei Jahren verändert sich das klimabedingt.

50 Prozent seiner Arbeitszeit verbringt Volker Walther im Pilzmuseum, wo er forscht, analysiert und unter dem Mikroskop seziert. Die anderen 50 Prozent ist der 53-Jährige im Rothaargebirge rund um Bad Laasphe unterwegs. Und führt Gruppen durch die herbstlich bunten Wälder.

Wer aus Gier zu viel pflückt, wird womöglich in den Folgejahren nicht mehr fündig. Denn was der Laie als Pilz bezeichnet, ist nur der Fruchtkörper des Geflechts, das tief im Boden wächst. Die Fruchtkörper werden nur angelegt, damit der Pilz sich vermehren kann.

Wer mit Volker Walther durch das Rothaargebirge streift, erfährt viel über die Mykologie, die Pilzkunde. Etwa, dass viele Pilze giftige Doppelgänger besitzen. So auch das Stockschwämmchen.

Den giftigen Fliegenpilz kennt jedes Kind. Doch auch er hat in den letzten Jahren einen Doppelgänger bekommen, der nicht nur essbar, sondern delikat ist. Aufgrund der veränderten klimatischen Bedingungen fühlt sich offenbar auch der Kaiserling (nicht im Bild), ein ausgewiesener Mittelmeerpilz, mittlerweile in Deutschland wohl.

Essbar sind nur rund 200 Arten. Die Natur braucht aber auch die Pilze, die für uns giftig sind – insbesondere Bäume leben in enger Symbiose mit abertausenden Pilzen. Sie tauschen wichtige Nährstoffe aus und könnten ohne einander nicht existieren.

Im Pilzmuseum stehen die gefriergetrockneten Exemplare in schwarzen Vitrinen. Ein Spotlight ist auf die einzelnen Fruchtkörper gerichtet. Dadurch kommen die obskuren Strukturen und schillernden Farben perfekt zur Geltung.

Volker Walther bietet im Museum einen besonderen Service an: Er bestimmt die Pilze, die Besucher des Museums vorbeibringen. Seine Expertise ist sogar kostenlos.

Stand: 03.11.2020, 10:04 Uhr