"Aus dem Japanischen von Ursula Gräfe"

Übersetzerin Ursula Gräfe sitzt zwischen zwei Büchern des japanischen Autors Haruki Murakami

"Aus dem Japanischen von Ursula Gräfe"

Sie gilt als Meisterin ihres Fachs: Ursula Gräfe erzählt in der Redezeit von den Tricks und Kniffen, die es braucht, um japanische Literatur ins Deutsche zu übertragen. Bekannt wurde sie vor allem durch ihre Übersetzungen von Haruki Murakami.

Haruki Murakami, Schriftsteller aus Japan

Für die deutschen Übersetzungen der Literatur von Murakami sorgt Ursula Gräfe seit fast 20 Jahren. Unklarheiten im Übersetzungsprozess klären die beiden entspannt per Email – immer wieder gab es aber auch Begegnungen, die Ursula Gräfe berührten und beeindruckten, insbesondere natürlich bei den vielen Preisverleihungen, zu denen neben dem Preisträger Murakami meist sie, auch seine wichtigste Übersetzerin, eingeladen wird.

Ursula Gräfe vertritt Haruki Murakami aber auch sonst in aller Souveränität: Bei Veranstaltungen in Buchhandlungen liest sie aus den Romanen des Japaners und erzählt nebenbei von den Komplikationen des Übersetzens. Mit Erfolg, wie man aus dem Buchhandel hört.

Haruki Murakami ist ohne Frage der herausragende japanische Autor der Gegenwart, aber neben ihm gebe es noch jede Menge anderer japanischer Schriftstellerinnen und Schiftsteller zu entdecken, ist die 62-Jährige überzeugt. Seit 1988 arbeitet Ursula Gräfe als literarische Übersetzerin. Japanische Literatur ist aktuell ein großer Trend auf dem deutschen Buchmarkt – und einige der interessantesten Übersetzungen stammen von der Frankfurterin.

Japanische Romane werden immer wieder aus dem Englischen ins Deutsche übertragen, weil das leichter und damit für die Verlage auch kostengünstiger ist. Dadurch können aber massive Verzerrungen gegenüber dem Originaltext entstehen. Ursula Gräfe plädiert deshalb vehement für direkte Übersetzungen aus dem Japanischen. "Die Herausforderung ist, einen angemessenen deutschen Stil zu finden", betont sie. Es geht also nicht um eine buchstabengetreue Übertragung, was aus der japanischen Sprache mit ihren bildhaften Zeichen sowieso nicht möglich wäre. Es geht Gräfe in ihrer Arbeit als Übersetzerin darum, einen Stil zu finden, der dem Geist und dem Klang des japanischen Originaltextes im Deutschen möglichst gut entspricht. "Dies ist meine Verantwortung – sowohl dem Autor als auch den Lesern gegenüber."

Literaturtipps

Haruki Murakami: Die Ermordung des Commendatore Band 1 & 2. Dumont, 2018. Aus dem Japanischen von Ursula Gräfe. ISBN 978-3832198916 (Band 1) und 978-3832198923 (Band 2). 480 und 496 Seiten. Jeweils Euro 26,--

Sayaka Murata: Die Ladenhüterin. Aufbau, 2018. Aus dem Japanischen von Ursula Gräfe. 145 Seiten. ISBN 978-3-351-03703-1. Euro 18,--

Keigo Higashano: Unter der Mitternachtssonne. Tropen, 2018. Aus dem Japanischen von Ursula Gräfe. 720 Seiten. ISBN 978-3-608-50348-7. Euro 25,--

Redaktion: Claudia Dammann

"Aus dem Japanischen von Ursula Gräfe" - Ursula Gräfe

WDR 5 Neugier genügt - Redezeit | 06.07.2018 | 26:12 Min.

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