SPD-Kandidatin Lange: "Mut, Systeme einfacher zu denken"

Simone Lange - Kandidatin für den SPD-Bundesvorsitz

SPD-Kandidatin Lange: "Mut, Systeme einfacher zu denken"

Die SPD wählt am Ende April auf einem Sonderparteitag in Wiesbaden die neue Parteivorsitzende. Simone Lange, Oberbürgermeisterin von Flensburg, tritt gegen Andrea Nahles an. Die Herausforderin plädiert für die Abschaffung von Hartz IV.

"Ich fühle mich berufen, in der SPD eine führende Rolle zu spielen", sagt die bislang bundesweit eher unbekannte 41-Jährige selbstbewusst. Ihre Gegenkandidatur sieht sie positiv, auch für die SPD. "Wettbewerb zeigt, dass eine Partei attraktiv ist, weil sie viele Köpfe hat, die sich etwas zutrauen", sagt sie im Interview mit WDR 5. Grund für Langes Bewerbung ist nicht zuletzt ihre Verärgerung über die Personalpolitik des SPD-Bundesvorstands: "Eine Einzelkandidatur, die ohne große Diskussionen durchgewunken wird, kann kein Zeichen für einen Aufschwung oder einen Neuanfang sein." Lange kritisiert, dass die Parteispitze der SPD in vielfacher Hinsicht den Kontakt zur Basis verloren habe. Und sie bezweifelt, dass eine Fraktionsvorsitzende, die der Koalitionsräson unterliegt, zugleich auch die Partei richtungsweisend erneuern kann. "Andrea Nahles muss doch mal erklären, wie sie die Partei führen will. Allein zu erklären, das Machtzentrum der Partei sein zu wollen, ist etwas, was mich abschreckt."

Statt Hartz IV "ein System, das motiviert"

Langes wichtigstes politisches Anliegen ist die Abschaffung der Hartz IV-Sozialgesetzgebung. Sie möchte stattdessen ein System, "das die Menschen dafür belohnt, wenn sie sich eigeninitiativ um eine Fortbildung, Weiterbildung oder Qualifizierung gekümmert haben." Dass derzeit der Staat entscheidet, ob und welche Forbildungen jemand bekommt, sei nicht motivierend. "Wir müssen weg von einem System, das sanktioniert und bevormundet, hin zu einem, das motiviert und belohnt", sagt sie in WDR 5. In dem Zusammenhang fordert sie, aufzuhören "mit dem Wahnsinn, dass wir Sozialleistungen gegeneinander aufrechnen". Das würde auch weniger Bürokratie nach sich ziehen. "Wir sollten den Mut haben, die Systeme etwas einfacher zu denken."

13 Jahre Kripo, jetzt Oberbürgermeisterin

Simone Lange wuchs in der ehemaligen DDR auf, im thüringischen Rudolstadt. Sie studierte Verwaltungswissenschaft und arbeitete anschließend 13 Jahre als Kriminalpolizistin in Flensburg. 2003 trat die zweifache Mutter in die SPD ein, 2012 errang sie ein Direktmandat bei der Landtagswahl in Schleswig-Holstein. Seit Januar 2017 ist sie Oberbürgermeisterin von Flensburg.

Kandidatur für SPD-Vorsitz - Gespräch mit Simone Lange

WDR 5 Neugier genügt - das Feature | 13.04.2018 | 20:18 Min.

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Redakteurin: Claudia Dammann