Perfekte Wellen? Leben als Surfaussteiger

Lilly von Treuenfels zieht seit Jahren den besten Wellen hinterher und surft inzwischen - mit 18 - auf einem hohen Nivau

Perfekte Wellen? Leben als Surfaussteiger

Wellenreiten ist für immer mehr Deutsche der Lieblingsurlaubssport. Richtig Surfverrückten reichen aber ein paar Wochen Wellenreiten im Jahr nicht. Viele verlegen ihr Leben deshalb ganz an die Wasserkante.

Surfen oder Wellenreiten, also stehend auf einem Brett Wellen abzufahren, ist für Viele eine sportliche Leidenschaft, aber auch ein Lebensstil. Mehrere zehntausend Deutsche buchen sich jedes Jahr in einem Surfcamp ein. Der Deutsche Wellenreitverband schätzt, dass es weltweit rund 10.000 deutsche Surfauswanderer und ausserhalb Deutschlands rund 70 deutsche Surfcamps gibt.

Und wie ist das Leben als Surfaussteiger? Nur noch "hang loose" und "aloha"? WDR 5 Reporterin Lena Gilhaus will wissen: Laufen die wirklich auf der Sonnenseite des Lebens oder hat der Ausstieg ans Meer auch seine Schattenseiten? In Frankreich trifft sie Lilly von Treuenfels, die seit ihrem 14. Lebensjahr den besten Wellen hinterher reist, Uli Scherb, den Surfcamp-Gründervater am Atlantik und in Portugal besucht sie den Kölner Malte Wittern in seinem eigenen Surfcamp abseits vom Surftourismus.

Autorin: Lena Gilhaus

Redaktion: Jessica Eisermann

Perfekte Wellen? Leben als Surfaussteiger

Von Lena Gilhaus

Wellenreiten wird für immer mehr Deutsche zum Lieblingsurlaubssport. Mehrere zehntausend Deutsche buchen jedes Jahr ein Surfcamp. Einige Surfverrückte verlegen aus Liebe zum Surfen ihr Leben ganz ans Meer. Und dann?

Uli Scherb - hier in seiner Atlantic Surflodge - ist das Urgestein der deutschen Surfer in Südfrankreich

Uli Scherb ist das Urgestein der deutschen Surfer in Südfrankreich. Der Darmstädter hat vor 25 Jahren eins der ersten Deutschen Surfcamps am Atlantik eröffnet und seinen Lebensmittelpunkt nach Vieux Boucau 50 Kilometer vor Biarritz verlegt. Hinter dem Longboardsurfer liegen auch dunkle Zeiten. Stress mit den Behörden, eine Herz-OP und der Verkauf seiner Firma. Jetzt betreibt er mit viel Herzblut eine kleine Surf-Lodge.

Uli Scherb ist das Urgestein der deutschen Surfer in Südfrankreich. Der Darmstädter hat vor 25 Jahren eins der ersten Deutschen Surfcamps am Atlantik eröffnet und seinen Lebensmittelpunkt nach Vieux Boucau 50 Kilometer vor Biarritz verlegt. Hinter dem Longboardsurfer liegen auch dunkle Zeiten. Stress mit den Behörden, eine Herz-OP und der Verkauf seiner Firma. Jetzt betreibt er mit viel Herzblut eine kleine Surf-Lodge.

Lilly von Treuenfels ist die beste deutsche Nachwuchssurferin und die amtierende Juniorinnenmeisterin. Die 18-Jährige verbringt den Sommer mit anderen Surfern in einem Camp hinter der Düne von Saint-Girons.

Im Surfcamp in Saint-Girons gibt es zwei Lager. Die Anfänger, die gerade Surfunterricht bekommen, viel feiern und den Urlaub genießen. Und es gibt die Profisurfer, die hier oft monatelang leben, den Sport sehr ernst nehmen und dann auch mal früh ins Bett gehen, um morgens um sechs in den Sonnenaufgang zu surfen.

Lilly von Treuenfels zieht, seit sie ein Teenager war, den besten Wellen hinterher und surft inzwischen auf hohem Niveau. Ihr Abitur hat sie auf Lanzarote gemacht, dort bei einer Gastfamilie gelebt, während ihre eigene Familie auf die karibische Trauminsel Curacao ausgewandert ist. Keine Option für Lilly: auf Curacao seien die Wellen einfach zu schlecht.

Surfergirl Lilly ist mit 18 Jahren schon das Werbegesicht für große Surfmarken. Bei Instagram und Co. inszeniert sie sich als coole Surferin, durchschlitzt ganz cool die steilsten Brecher oder zeigt viel Haut im Bikini an paradiesischen Stränden.

Auch bei schlechtem Wetter heißt es für echte Surfer: ab ins Wasser. Während viele Anfänger es gar nicht bis ins Line Up schaffen  - die Stelle hinter den Wellen – sind die Profis weit draußen und durchkurven die Wasserwände so radikal wie möglich.

Philipp Kuretzky ist angehender Lehrer und Präsident des Deutschen Wellenreitverbandes (DWV). Gerade fährt er durch die Ferienanlage in Seignosse zum Medienbungalow. Seit seiner Kindheit verbringt er den Sommer in Südfrankreich, um zu surfen und unterstützt aktuell die besten Surfer Deutschlands bei ihren Vorbereitungen für Olympia 2020.

Malte Wittern ist seit 15 Jahren Surflehrer und immer noch fasziniert von Wellen und Meer. Er liebt es, Anfänger in die Welt des Surfens einzuführen oder Fortgeschrittenen neue Tricks beizubringen.

Jeden Frühling stapeln Malte und seine Freunde in Köln einen großen Transporter voll mit Möbeln, Accessoires und Werkzeug. In Gelfa in Nordportugal angekommen, verwandeln sie dieses und zwei weitere Strandhäuser in ihr Surfcamp -  mit gemütlichen Sitzsäcken und Himmelbetten zum Chillen, Basketballkorb und stylishen Essgelegenheiten.

In der Bucht Gelfa bei Viana do Castelo hat Malte sein Surfcamp errichtet: Ein Spot, der noch nicht von Surfern überrannt ist und optimale Wellenbedingungen bietet. Malte kommt trotz der Arbeit im Camp oft genug selbst in die Wellen und surft selbst auf hohem Niveau.

Malte im Garten des "Teamerhauses" seines Surfcamps - zufrieden schaut er über die Bucht von Gelfa. Hinter ihm liegt eine erfolgreiche Saison. Jetzt geht es zurück nach Köln, wo er Bürokram erledigen muss, um die nächsten drei Monate am Meer vorzubereiten.

Vielleicht ist es die Sucht nach Weite und Grenzenlosigkeit, die die Surfer immer wieder raus auf's Wasser zieht.

Perfekte Wellen? Leben als Surfaussteiger

WDR 5 Neugier genügt - das Feature | 18.05.2018 | 21:37 Min.

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